Ich ziehe es vor, widerlegt zu werden, als zu widerlegen, denn es ist ein größeres Gut für einen selbst, vom größten Übel befreit zu werden, als einen anderen zu befreien.
- Sokrates

Klugwort Reflexion zum Zitat
Sokrates bringt in diesem Zitat seine außergewöhnliche Haltung gegenüber Wissen und Wahrheitssuche zum Ausdruck. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, andere zu besiegen oder ihre Fehler aufzudecken, zieht er es vor, selbst widerlegt zu werden – denn dadurch kann er seine eigenen Irrtümer erkennen und sich weiterentwickeln. Für ihn ist das größte Übel nicht, Unrecht zu erleiden, sondern im Irrtum zu verharren.
Diese Denkweise steht im Gegensatz zu der menschlichen Neigung, Recht behalten zu wollen. Viele Menschen versuchen, ihre Argumente um jeden Preis zu verteidigen, selbst wenn sie falsch liegen. Sokrates hingegen sieht die Widerlegung nicht als Niederlage, sondern als Möglichkeit zur Selbsterkenntnis und zur Verbesserung des eigenen Denkens.
Das Zitat regt dazu an, über die eigene Einstellung zur Wahrheit nachzudenken. Sind wir bereit, unsere Fehler einzugestehen, wenn uns jemand mit besseren Argumenten überzeugt? Oder klammern wir uns an unsere Überzeugungen, nur um unser Ego zu schützen? Sokrates zeigt, dass wahre Weisheit nicht darin besteht, immer Recht zu haben, sondern darin, offen für neue Erkenntnisse zu sein.
Kritisch könnte man fragen, ob diese Haltung in jeder Situation praktikabel ist. Gibt es nicht Momente, in denen es notwendig ist, andere zu widerlegen – zum Beispiel, wenn falsche oder gefährliche Ideen verbreitet werden? Doch Sokrates fordert uns dazu auf, den Wert der eigenen Einsicht höher zu bewerten als den Wunsch, andere zu besiegen. Seine Worte erinnern daran, dass Lernen und Erkenntnis oft in der Bereitschaft liegen, sich selbst infrage zu stellen.
Zitat Kontext
Sokrates (469–399 v. Chr.) war einer der bedeutendsten Philosophen der Antike. Er entwickelte die sokratische Methode, die auf kritischem Fragen und Dialog basiert, um zu tieferem Wissen zu gelangen. Seine Überzeugung, dass das Bewusstsein über das eigene Nichtwissen der erste Schritt zur Weisheit ist, prägte sein gesamtes philosophisches Denken.
Das Zitat steht im Kontext seiner Auffassung von Wahrheitssuche. Sokrates glaubte, dass die größte Gefahr für den Menschen nicht Unrecht oder Schande ist, sondern Unwissenheit. Wer seine eigenen Irrtümer erkennt, kann sich verbessern – wer sich an falschen Überzeugungen festklammert, bleibt im größten Übel gefangen.
Historisch betrachtet, führte diese Haltung letztlich zu seinem Tod. Seine kritische Fragetechnik stellte die bestehenden Machtstrukturen in Athen infrage, was ihn viele Feinde einbrachte. Doch er blieb seiner Überzeugung treu und akzeptierte sogar seinen Tod, anstatt sich gegen seine Prinzipien zu stellen.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In Zeiten von Fake News, Meinungsblasen und hitzigen Debatten erinnert uns Sokrates daran, dass es wichtiger ist, selbst zur Wahrheit zu gelangen, als andere zu besiegen. Seine Worte fordern uns auf, unsere eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen – und die Bereitschaft zu haben, uns von besseren Argumenten überzeugen zu lassen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Sokrates
- Tätigkeit:
- griech. Denker und Philosoph
- Epoche:
- Klassische Antike
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- Emotion:
- Keine Emotion