Ich stimme zu, dass zwei mal zwei vier eine hervorragende Sache ist; aber wenn wir schon Lob verteilen, dann ist zwei mal zwei fünf auch manchmal eine sehr charmante kleine Sache.

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewski spielt in diesem Zitat mit der Idee der absoluten Rationalität im Gegensatz zur menschlichen Unvorhersehbarkeit. Die mathematische Wahrheit, dass zwei mal zwei vier ergibt, steht für das kalte, logische Denken, das keine Abweichungen erlaubt. Doch er hebt hervor, dass eine Abweichung – in diesem Fall „zwei mal zwei fünf“ – manchmal eine charmante, vielleicht sogar notwendige Sache sein kann.

Diese Aussage verweist auf den Konflikt zwischen Vernunft und Irrationalität, zwischen strenger Logik und menschlicher Spontaneität. Die Welt lässt sich nicht ausschließlich durch formale Logik und starre Regeln erklären. Menschen handeln oft entgegen dem, was rational oder mathematisch korrekt erscheint – aus Emotionen, Kreativität oder schlicht aus Trotz.

Dostojewski kritisiert in seinen Werken immer wieder den Glauben an eine rein rational aufgebaute Gesellschaft, wie sie beispielsweise von Utopisten angestrebt wurde. Sein Zitat fordert dazu auf, auch das Unvorhersehbare, das Irrationale, ja sogar das Fehlerhafte als Teil des Lebens zu akzeptieren.

Es regt dazu an, darüber nachzudenken, ob absolute Rationalität wirklich das höchste Ideal ist – oder ob es manchmal notwendig ist, Regeln zu brechen, um etwas Menschlicheres und Lebendigeres zu schaffen.

Zitat Kontext

Dostojewski lebte in einer Zeit intensiver gesellschaftlicher Debatten über Rationalität, Utopismus und die Natur des Menschen. Dieses Zitat findet sich in seinem Roman „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ (1864), in dem er sich kritisch mit dem damals verbreiteten Rationalismus auseinandersetzt.

Das 19. Jahrhundert war geprägt von aufkommenden Ideen des wissenschaftlichen Materialismus und des Utilitarismus. Viele Denker argumentierten, dass der Mensch ein berechenbares Wesen sei und dass die Gesellschaft nach streng rationalen Prinzipien geordnet werden sollte. Dostojewski hingegen sah diese Vorstellung als gefährlich an, da sie die Komplexität und Widersprüchlichkeit des menschlichen Geistes ignorierte.

Sein Werk ist voller Figuren, die sich irrational verhalten, gerade weil sie sich nicht in ein rein logisches Schema pressen lassen wollen. Sein Zitat steht in direktem Kontrast zu einer Welt, die alles quantifizierbar machen möchte. Bis heute bleibt diese Thematik aktuell: In Zeiten von Künstlicher Intelligenz und datengetriebener Entscheidungsfindung stellt sich die Frage, wie viel Platz das Unvorhersehbare, das Menschliche noch haben darf.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion