Ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwenglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer äußert in diesem Zitat eine radikale und bittere Kritik an der deutschen Nation. Seine Worte sind von Verachtung und Frustration geprägt und zeigen, dass er sich von der geistigen und gesellschaftlichen Entwicklung seiner Zeit entfremdet fühlte.
Schopenhauer war bekannt für seinen Pessimismus und seine scharfe Kritik an der Gesellschaft. In vielen seiner Schriften setzte er sich mit der Dummheit und Ignoranz der Menschen auseinander und betrachtete sie als eine der größten Hindernisse für Fortschritt und wahres Denken. In diesem Zitat geht er noch einen Schritt weiter: Er sieht die deutsche Nation als ein Kollektiv, das seiner Ansicht nach nicht die geistige Tiefe besitzt, die er als notwendig erachtete.
Diese drastische Aussage kann als Ausdruck seiner Enttäuschung verstanden werden. Schopenhauer war zu Lebzeiten wenig anerkannt und fühlte sich von der intellektuellen Welt seiner Zeit missverstanden. Es ist denkbar, dass sein Zorn auch aus diesem Mangel an Wertschätzung resultierte. Dennoch bleibt die Frage: Ist seine Kritik gerechtfertigt, oder handelt es sich um die Verbitterung eines Mannes, der sich von der Gesellschaft nicht anerkannt fühlte?
Kritisch betrachtet könnte man einwenden, dass eine pauschale Verachtung einer ganzen Nation nicht nur ungerecht ist, sondern auch eine problematische Verallgemeinerung darstellt. Doch Schopenhauer zielte vermutlich weniger auf eine nationale Identität ab als vielmehr auf das Verhalten und die Denkweise, die er in seiner Umgebung beobachtete. Sein Zitat bleibt ein provokanter Ausdruck intellektueller Frustration – eine scharfe Abrechnung mit der Gesellschaft, die ihn umgab.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, dessen Werk von tiefem Pessimismus und einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber der menschlichen Natur geprägt war. Er gilt als einer der bedeutendsten Denker des 19. Jahrhunderts und hatte großen Einfluss auf spätere Philosophen wie Nietzsche, Freud und Wittgenstein.
Das Zitat spiegelt Schopenhauers Haltung zur deutschen Gesellschaft wider. Er lebte in einer Zeit, in der Deutschland noch nicht geeint war und intellektuelle Strömungen stark von Nationalismus geprägt wurden. Schopenhauer hingegen war ein Kosmopolit, der sich weniger mit nationalen Idealen identifizierte als mit einem universellen Streben nach Wahrheit und Weisheit.
Historisch gesehen ist seine Kritik bemerkenswert, da Deutschland im 19. Jahrhundert eine Hochburg der Philosophie, Literatur und Wissenschaft war. Dennoch empfand Schopenhauer viele seiner Zeitgenossen als engstirnig und von oberflächlichen Idealen geprägt. Seine Verachtung für den „Mainstream“ seiner Zeit zeigt sich in vielen seiner Werke, in denen er gegen akademische Konformität und intellektuelle Mittelmäßigkeit wetterte.
Auch heute kann das Zitat als Warnung vor geistiger Trägheit und der Gefahr des blinden Nationalismus verstanden werden. Es erinnert daran, dass kritisches Denken oft mit Einsamkeit und Entfremdung einhergeht – eine Erfahrung, die Schopenhauer selbst nur zu gut kannte.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion