Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich.
- Rainer Maria Rilke

Klugwort Reflexion zum Zitat
Rainer Maria Rilke beschreibt in diesem Zitat das Glück und die Bedeutung des Neuanfangs. Er betrachtet das Leben nicht als eine lineare Kontinuität, sondern als eine Abfolge von Momenten, in denen man immer wieder neu beginnt.
Diese Betrachtung verweist auf eine tiefgehende Wahrheit: Fortschritt, Kreativität und persönliches Wachstum entstehen durch die Bereitschaft, von vorne zu beginnen. Rilke zeigt, dass der erste Schritt – das erste Wort nach einer langen Pause – ein heiliger, fast göttlicher Akt ist.
Das Zitat regt dazu an, über unser eigenes Verhältnis zum Neuanfang nachzudenken. Haben wir Angst davor, von vorne anzufangen? Oder sehen wir es als Chance, Dinge neu zu gestalten? Rilke fordert uns auf, das 'Beginnen' nicht als Rückschritt, sondern als einen Akt der Selbstverwirklichung zu begreifen.
Kritisch könnte man fragen, ob ein ständiges Neubeginnen nicht auch eine Form des Vermeidens sein kann. Ist es nicht manchmal wichtiger, etwas zu Ende zu führen, statt immer wieder neu anzufangen? Doch Rilkes Zitat ist keine Aufforderung zur Rastlosigkeit, sondern zur Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu erneuern. Seine Worte laden dazu ein, den Wert des Anfangs zu erkennen – und den Mut zu haben, ihn bewusst zu gestalten.
Zitat Kontext
Rainer Maria Rilke (1875–1926) war einer der bedeutendsten Lyriker der Moderne. Seine Werke kreisen um Themen wie Existenz, Veränderung und das Wesen der Kunst. Er war überzeugt, dass das Leben ein ständiger Prozess der Entwicklung ist.
Das Zitat steht im Kontext seiner philosophischen und poetischen Überzeugung, dass wahres Wissen nicht in festgelegten Dogmen, sondern in der Offenheit für Veränderung liegt. Rilke sah das Leben als eine unaufhörliche Reise, auf der der Mensch sich immer wieder selbst erneuert.
Historisch betrachtet, lebte Rilke in einer Zeit des Wandels, geprägt von gesellschaftlichen, künstlerischen und technologischen Umbrüchen. Sein Zitat kann als Reaktion auf die Unsicherheiten der Moderne verstanden werden – eine Ermutigung, den Wandel anzunehmen und aktiv zu gestalten.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, die sich ständig verändert, stellt sich die Frage: Sind wir bereit, immer wieder Beginner zu werden? Rilkes Worte laden dazu ein, sich nicht an das Alte zu klammern, sondern die Schönheit des Neubeginns zu erkennen – und mutig das erste Wort hinter den langen Gedankenstrich zu setzen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Rainer Maria Rilke
- Tätigkeit:
- österreichisch-deutscher Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion