Ich bin zerfallen in mir selbst. – Aus der Urne des Schicksals werden die Lose des Menschen gezogen; wenn ich den Buben beuteln könnt', der das meinige gezogen hat, – ich tät's.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem Zitat eine tiefe Resignation gegenüber dem Schicksal. Er vermittelt das Gefühl, dass das eigene Leben nicht selbstbestimmt ist, sondern von einer willkürlichen Macht gelenkt wird – und dass man mit der eigenen Auslosung nicht zufrieden sein kann.
Diese Betrachtung verweist auf eine universelle menschliche Erfahrung: das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Zufall des Lebens. Wer hatte nicht schon einmal den Gedanken, dass das Schicksal ungerecht verteilt ist? Nestroy verpackt diese Frustration in seine typisch humorvolle, aber bittere Ironie.
Das Zitat regt dazu an, über unser Verhältnis zum Schicksal nachzudenken. Akzeptieren wir unser Los, oder kämpfen wir dagegen an? Ist es überhaupt möglich, den Zufall zu beeinflussen? Nestroy fordert uns auf, über die Rolle des Glücks in unserem Leben nachzudenken – und über die Frage, ob wir es hinnehmen oder versuchen, unser eigenes Schicksal zu gestalten.
Kritisch könnte man fragen, ob die Vorstellung eines völlig zufälligen Lebens nicht zu einer passiven Haltung führt. Ist es nicht besser, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen? Doch Nestroys Zitat ist keine Einladung zur Untätigkeit – sondern eine pointierte Reflexion über die Grenzen menschlicher Kontrolle. Seine Worte laden dazu ein, mit einem Augenzwinkern über das Unvermeidliche nachzudenken.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, bekannt für seinen scharfen Witz und seine kritischen Beobachtungen über das Leben und die Gesellschaft. Seine Stücke verbinden Humor mit tiefsinniger Reflexion.
Das Zitat steht im Kontext von Nestroys ironischer Weltsicht. Er erkannte, dass viele Dinge im Leben nicht durch Fleiß oder Können, sondern durch Zufall entschieden werden – eine Erkenntnis, die er mit einem bitteren Humor kommentiert.
Historisch betrachtet, lebte Nestroy in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen. Sein Zitat kann als Ausdruck der damaligen Unsicherheit gesehen werden, in der das Schicksal oft unberechenbar erschien. Die Industrialisierung, politische Umbrüche und soziale Ungleichheit führten dazu, dass viele Menschen sich von äußeren Mächten bestimmt fühlten.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, in der Glück und Zufall oft eine größere Rolle spielen als Leistung allein, stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit unserem Schicksal um? Nestroys Worte laden dazu ein, das Leben mit einer Mischung aus Gelassenheit und Humor zu betrachten – und vielleicht doch ein bisschen zu kämpfen, wenn das Los schlecht ausfällt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion