Geld ist natürlich eine despotische Macht, zu gleicher Zeit aber ist es der größte Gleichmacher, und darin liegt seine hauptsächliche Macht. Geld macht alle Ungleichheiten gleich.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat
Dostojewski betrachtet das Geld als eine paradoxe Kraft. Einerseits hat es eine despotische, fast tyrannische Macht über Menschen und Gesellschaften. Es bestimmt soziale Hierarchien, beeinflusst zwischenmenschliche Beziehungen und entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg.
Gleichzeitig jedoch nivelliert Geld bestehende Unterschiede. In einer Welt, in der soziale Herkunft, Bildung oder persönliche Talente eine Rolle spielen, kann Geld als eine Art universeller Ausgleichsfaktor dienen. Wer genug davon hat, kann sich gesellschaftlichen Status, Einfluss oder Sicherheit erkaufen, unabhängig von anderen Qualifikationen.
Doch diese vermeintliche Gleichmacherei hat ihre Schattenseiten. Wenn alles auf Geld reduziert wird, verliert der Mensch an Individualität, und moralische oder ethische Werte geraten in den Hintergrund. Die Frage bleibt: Sollte Geld wirklich der entscheidende Faktor für Gleichheit sein? Oder zeigt Dostojewski vielmehr eine ironische Kritik an einer Gesellschaft, die wahre Werte gegen wirtschaftliche Macht eintauscht?
Dieses Zitat regt dazu an, über den wahren Wert des Geldes nachzudenken – und darüber, ob materielle Gleichheit tatsächlich eine erstrebenswerte Form der Gerechtigkeit darstellt.
Zitat Kontext
Fjodor Dostojewski (1821–1881) war einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Seine Werke setzen sich intensiv mit existenziellen, moralischen und sozialen Fragen auseinander.
Das Zitat stammt aus einem seiner Romane, in denen oft das Spannungsverhältnis zwischen sozialer Gerechtigkeit, Geld und Macht thematisiert wird. Dostojewski lebte in einer Zeit, in der sich Russland im Umbruch befand: Die sozialen Ungleichheiten zwischen Aristokratie, Bürgertum und Bauernschaft waren enorm, und Geld spielte eine zentrale Rolle bei gesellschaftlicher Mobilität.
Seine eigene Biografie war ebenfalls stark vom Thema Geld geprägt. Er geriet mehrmals in finanzielle Schwierigkeiten, musste Spielschulden begleichen und war gezwungen, unter großem Zeitdruck zu schreiben, um seine Gläubiger zu bezahlen.
Das Zitat reflektiert also nicht nur eine philosophische Einsicht, sondern auch eine persönliche Erfahrung. Bis heute bleibt das Thema hochaktuell: In einer kapitalistischen Welt ist Geld eine Macht, die bestehende Unterschiede verwischen, aber auch neue Ungleichheiten schaffen kann.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
- Tätigkeit:
- russischer Schriftsteller
- Epoche:
- Realismus
- Mehr?
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- Emotion:
- Keine Emotion