Es zeichnet einen gebildeten Geist aus, sich mit jenem Grad an Genauigkeit zufrieden zugeben, den die Natur der Dinge zulässt, und nicht dort Exaktheit zu suchen, wo nur Annäherung möglich ist.
- Aristoteles

Klugwort Reflexion zum Zitat
Aristoteles beschreibt hier eine der wichtigsten Eigenschaften eines gebildeten Menschen: die Fähigkeit, Genauigkeit dort zu suchen, wo sie sinnvoll ist, aber auch anzuerkennen, dass manche Dinge nur ungefähr bestimmt werden können.
Er betont, dass nicht alle Bereiche des Lebens oder der Wissenschaft mit absoluter Präzision behandelt werden können. Während Mathematik und Logik exakte Disziplinen sind, gibt es in Ethik, Politik oder Kunst oft nur Annäherungen an Wahrheiten.
Dieses Zitat fordert dazu auf, das Streben nach Perfektion kritisch zu hinterfragen. Wer immer absolute Klarheit und Präzision erwartet, könnte an den Grenzen der Erkenntnis verzweifeln. Wahre Bildung zeigt sich in der Fähigkeit, zwischen verschiedenen Erkenntnismöglichkeiten zu unterscheiden und nicht unnötige Genauigkeit zu verlangen, wo sie nicht existieren kann.
Besonders in der modernen Welt, in der Daten und Fakten oft überbewertet werden, erinnert uns Aristoteles daran, dass manche Wahrheiten nicht exakt messbar sind – und dass dies kein Zeichen von Unzulänglichkeit, sondern von der Natur der Dinge selbst ist.
Zitat Kontext
Aristoteles (384–322 v. Chr.) war einer der größten Philosophen der Antike und beschäftigte sich intensiv mit Logik, Naturwissenschaft und Ethik.
Dieses Zitat steht im Kontext seiner Erkenntnistheorie, in der er zwischen exakten und ungenauen Wissenschaften unterscheidet. Während Mathematik absolute Präzision ermöglicht, sind Ethik und Politik eher Bereiche der Wahrscheinlichkeiten und Annäherungen.
Der historische Kontext zeigt, dass Aristoteles in einer Zeit lebte, in der das Wissen systematisiert wurde. Er legte die Grundlagen für viele wissenschaftliche Disziplinen, betonte aber zugleich, dass nicht alle Fragen mit der gleichen Genauigkeit beantwortet werden können.
Auch heute bleibt seine Einsicht wertvoll. In einer Zeit, in der Menschen oft absolute Gewissheiten verlangen – sei es in Wissenschaft, Politik oder Gesellschaft –, erinnert uns sein Zitat daran, dass viele Erkenntnisse nur Näherungen an die Wahrheit sind. Bildung bedeutet, diese Unterschiede zu erkennen und angemessen damit umzugehen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Aristoteles
- Tätigkeit:
- Universalgelehrter, Philosoph, Naturforscher
- Epoche:
- Klassische Antike
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- Emotion:
- Keine Emotion