Es wird gewiß niemand daran zweifeln, daß die Ballettänzerinnen Fauenzimmer sind, und zwar comme il faut – aber zu der Idee sich hinaufzuschwingen, daß ein Ballettänzer ein Mann ist, da gehört viel dazu…
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy bringt in diesem Zitat eine ironische Beobachtung über gesellschaftliche Geschlechterrollen zum Ausdruck. Während es als selbstverständlich gilt, dass eine Balletttänzerin eine Frau ist, scheint es für manche schwer vorstellbar, dass ein Mann denselben Beruf ausüben kann.
Diese Aussage ist ein Kommentar auf tief verwurzelte Vorurteile und stereotype Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Der Tanz, besonders das Ballett, wurde lange Zeit mit Eleganz und Anmut assoziiert, Eigenschaften, die traditionell als 'weiblich' betrachtet wurden. Die Vorstellung eines männlichen Balletttänzers stellte dieses Bild infrage.
Das Zitat fordert uns auf, über unsere eigenen Vorurteile nachzudenken. Warum empfinden wir bestimmte Berufe oder Tätigkeiten als typisch männlich oder weiblich? Und wie tief sind solche Vorstellungen in unserer Kultur verankert?
Letztendlich erinnert Nestroy uns daran, dass gesellschaftliche Wahrnehmungen oft weniger mit der Realität als mit tradierten Bildern zu tun haben. Männlichkeit und Weiblichkeit sind keine festen Konzepte – sie sind wandelbar und sollten nicht durch überholte Rollenbilder begrenzt werden.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, bekannt für seine scharfzüngigen und gesellschaftskritischen Texte. Seine Werke hinterfragen oft soziale Normen und Rollenbilder.
Das Zitat stammt aus einer Zeit, in der traditionelle Geschlechterrollen stark definiert waren. Während Frauen in bestimmten künstlerischen Berufen akzeptiert wurden, war es für Männer schwieriger, in Bereichen wie Tanz oder Mode ernst genommen zu werden. Männliche Balletttänzer wurden oft als exzentrisch oder untypisch angesehen.
Zur Zeit Nestroys wurden viele Berufe klar nach Geschlecht getrennt. Männer dominierten politische und wirtschaftliche Machtstrukturen, während Frauen auf Kunst und Unterhaltung begrenzt wurden – jedoch meist in passiven oder dekorativen Rollen.
Auch heute bleibt seine Einsicht relevant. Geschlechterstereotype existieren weiterhin, sei es in der Berufswahl, in Hobbys oder in der Wahrnehmung von männlicher und weiblicher Ausdrucksweise. Nestroy fordert uns auf, diese Stereotypen zu hinterfragen und zu erkennen, dass Talent und Fähigkeit nicht an ein Geschlecht gebunden sind.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
- Mehr?
- Alle Johann Nepomuk Nestroy Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion