Es gibt zweierlei Arten von Neugier: die eine aus Eigennutz, die uns antreibt zu erfahren, was uns nützen kann; die andere aus Stolz, die dem Trieb entspringt, zu wissen, was andere nicht wissen.

- François de La Rochefoucauld

François de La Rochefoucauld

Klugwort Reflexion zum Zitat

François de La Rochefoucauld beschreibt in diesem Zitat zwei unterschiedliche Motivationen, die hinter menschlicher Neugier stecken können. Die erste, eigennützige Form zielt darauf ab, Wissen zu erlangen, das einen praktischen Nutzen bietet. Die zweite, stolze Form entspringt dem Wunsch, sich durch exklusives Wissen von anderen abzuheben. Beide Arten zeigen, wie sehr unsere Neugier oft von persönlichen Interessen oder sozialen Dynamiken geprägt ist.

Das Zitat regt dazu an, die eigenen Beweggründe für Wissensdurst zu hinterfragen. Es stellt die Frage, ob unser Streben nach Wissen von echtem Interesse oder eher von egoistischen oder konkurrenzorientierten Motiven getrieben wird. Für den Leser ergibt sich die Einsicht, dass Neugier eine starke treibende Kraft sein kann, die jedoch bewusst reflektiert werden sollte, um ihr Potenzial konstruktiv zu nutzen.

La Rochefoucaulds Worte inspirieren dazu, Neugier nicht nur als Werkzeug für den persönlichen Vorteil oder die Selbstbestätigung zu betrachten, sondern als Möglichkeit, sich tiefer mit der Welt und anderen Menschen zu verbinden. Sie erinnern daran, dass die Absicht hinter dem Wissensstreben ebenso wichtig ist wie das Wissen selbst. Das Zitat ist ein Aufruf, die Neugier zu kultivieren, die auf echten Erkenntnisgewinn und Mitgefühl statt auf Eigennutz oder Stolz abzielt.

Zitat Kontext

François de La Rochefoucauld, ein Meister der psychologischen Beobachtung im 17. Jahrhundert, war bekannt für seine scharfsinnigen Analysen menschlicher Motive. Dieses Zitat passt in den Kontext seiner Maximen, die oft die subtilen und oft selbstsüchtigen Antriebe menschlichen Handelns beleuchten.

Historisch betrachtet entstand das Zitat in einer Epoche, in der Bildung und Wissen zunehmend als Mittel zur sozialen Anerkennung und zum persönlichen Aufstieg verstanden wurden. La Rochefoucauld zeigt hier jedoch, dass nicht jede Neugier altruistisch oder rein intellektuell ist.

Philosophisch betrachtet greift das Zitat die Themen Motivation und Ethik auf, indem es dazu anregt, die Absichten hinter unserem Handeln zu hinterfragen. Es bleibt in der modernen Welt relevant, in der Wissen oft als Ressource für Macht oder Prestige genutzt wird. La Rochefoucaulds Einsicht fordert uns dazu auf, die ethische Qualität unserer Neugier zu prüfen und sie in den Dienst echter Erkenntnis und menschlicher Verbindung zu stellen.

Daten zum Zitat

Autor:
François de La Rochefoucauld
Tätigkeit:
französischer Adliger, Soldat und Schriftsteller
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion