Es gibt Menschen, die nur lesen, um dem Schriftsteller Fehler nachzuweisen. Wer ohne Vorurteile liest, wird das Richtige lesen.
- Voltaire

Klugwort Reflexion zum Zitat
Voltaires Zitat beleuchtet zwei kontrastierende Herangehensweisen an das Lesen: eine, die durch Kritik und Vorurteile geprägt ist, und eine, die offen und unvoreingenommen ist. Es beschreibt die Haltung mancher Leser, die sich darauf konzentrieren, Schwächen oder Fehler in einem Werk zu finden, anstatt die Essenz und die Botschaft des Autors zu erfassen. Voltaire plädiert für einen offenen Geist, der sich auf die Wahrheiten und Erkenntnisse im Text konzentriert, anstatt von der Suche nach Fehlern abgelenkt zu werden.
Das Zitat regt dazu an, die eigene Lesehaltung zu hinterfragen. Lesen wir, um zu verstehen, zu lernen und neue Perspektiven zu entdecken, oder dominieren Vorurteile und Kritik unser Verständnis? Wer mit einer voreingenommenen Haltung liest, verpasst oft die Gelegenheit, den tieferen Wert eines Werkes zu erkennen. Die unvoreingenommene Leseweise hingegen erlaubt es, sich auf das ‚Richtige‘ im Text zu konzentrieren – die Ideen, die uns bereichern oder zum Nachdenken anregen.
In einer Zeit, in der Kritik oft zum Selbstzweck wird, erinnert Voltaires Zitat daran, dass der wahre Wert des Lesens im Dialog mit dem Autor und seinen Gedanken liegt. Es fordert uns auf, neugierig und offen zu sein, statt uns von vorgefassten Meinungen leiten zu lassen. Diese Offenheit ist nicht nur für das Lesen von Literatur wichtig, sondern auch für die Begegnung mit anderen Meinungen und Perspektiven im Alltag.
Zusammengefasst lehrt Voltaires Zitat, dass Lesen ein aktiver Prozess ist, der von Empathie, Verständnis und Offenheit lebt. Es lädt dazu ein, nicht nach Fehlern zu suchen, sondern die Botschaft und den Wert eines Textes zu erkennen. Indem wir ohne Vorurteile lesen, ermöglichen wir uns selbst, das Richtige zu finden und die Vielfalt der Gedankenwelt zu schätzen.
Zitat Kontext
Voltaire (1694–1778), einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung, war bekannt für seinen scharfsinnigen Geist und seine Kritik an Engstirnigkeit und Dogmatismus. Dieses Zitat reflektiert seinen Glauben an die Bedeutung von Toleranz und Offenheit, die zentrale Werte seiner Philosophie waren.
Der historische Kontext dieses Zitats liegt in einer Epoche, in der die Kontrolle über Wissen und Meinungen durch Kirche und Staat stark war. Voltaire kämpfte dafür, dass Menschen frei denken und lesen konnten, ohne durch Vorurteile oder Angst vor Bestrafung eingeschränkt zu sein. Seine Werke richteten sich oft gegen jene, die Texte nur auf ihre Fehler hin untersuchten, um sie zu verurteilen, anstatt ihre Ideen zu würdigen.
Philosophisch steht das Zitat in Verbindung mit Voltaires Forderung nach Toleranz und Rationalität. Es erinnert daran, dass der Sinn eines Textes nicht in seiner Perfektion liegt, sondern in seiner Fähigkeit, den Leser zu inspirieren und zu bereichern. Diese Idee passt auch zu den Grundsätzen der Aufklärung, die das Individuum dazu aufrief, eigenständig zu denken und zu urteilen.
In der heutigen Zeit, in der schnelle Urteile und Kritik oft im Vordergrund stehen, bleibt Voltaires Botschaft aktuell. Sie fordert dazu auf, Texte und Gedankenwelten mit Offenheit zu begegnen und den Wert in ihnen zu suchen, anstatt sie vorschnell zu verurteilen. Mit diesem Zitat vermittelt Voltaire eine zeitlose Lektion über die Kunst des Lesens und die Bedeutung von Toleranz im Denken.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Voltaire
- Tätigkeit:
- französischen Schriftsteller, Philosoph und Intellektueller
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion