Es brennt mich im Sack, das Sündengeld! Ich werd es wechseln lassen und unter mein übriges mischen, daß ich's gar nicht mehr auseinanderkenn.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroys Zitat ist eine satirische Reflexion über Schuld, Gewissen und die menschliche Fähigkeit, moralische Kompromisse einzugehen. Es beschreibt eine Situation, in der der Besitz von 'Sündengeld' – also auf unmoralische Weise erlangtem Geld – das Gewissen des Sprechers belastet, jedoch nur so lange, bis eine Möglichkeit gefunden wird, die Verantwortung zu verschleiern.
Das Bild des 'Sündengeldes', das im Sack brennt, symbolisiert die drängende moralische Unruhe, die der Besitz eines solchen Geldes auslöst. Die Lösung, das Geld zu wechseln und unter anderes zu mischen, steht für eine bewusste Verdrängung oder Rechtfertigung, die es dem Gewissen erleichtert, mit der Schuld zu leben. Dieser Vorgang verdeutlicht eine universelle menschliche Tendenz, Unangenehmes zu verschleiern, anstatt sich direkt damit auseinanderzusetzen.
Das Zitat regt dazu an, über die Art nachzudenken, wie wir mit moralischen Konflikten umgehen. Statt Verantwortung zu übernehmen, wird oft versucht, die eigene Schuld zu verwässern oder zu relativieren. Es zeigt, wie leicht moralische Prinzipien zugunsten von Bequemlichkeit oder Eigeninteresse aufgegeben werden können.
Kritisch könnte man argumentieren, dass Nestroy hier die menschliche Natur zu zynisch darstellt, doch seine Satire zielt darauf ab, Schwächen humorvoll offenzulegen und zum Nachdenken anzuregen. Es bleibt ein zeitloser Kommentar über den Umgang mit Schuld und Verantwortung, der uns auffordert, ehrlich zu unseren Handlungen zu stehen und die Konsequenzen anzunehmen, anstatt sie zu verschleiern.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, dessen Werke oft die Schwächen und Widersprüche der menschlichen Natur sowie gesellschaftliche Missstände beleuchten. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, moralische Fragen auf humorvolle und zugleich tiefgründige Weise darzustellen.
Historisch betrachtet lebte Nestroy in einer Zeit, in der Geld und Moral stark diskutierte Themen waren, insbesondere angesichts sozialer und wirtschaftlicher Umbrüche im 19. Jahrhundert. Seine Worte kritisieren die Doppelmoral und die Bequemlichkeit, mit der Menschen ihre eigenen Fehler und Verfehlungen rechtfertigen.
In der heutigen Zeit, die von komplexen moralischen und wirtschaftlichen Entscheidungen geprägt ist, bleibt das Zitat aktuell. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen, anstatt sie zu verdrängen. Nestroy lädt uns ein, die eigene Haltung zu Schuld, Gewissen und moralischer Integrität kritisch zu reflektieren – und das mit einem Augenzwinkern.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
- Mehr?
- Alle Johann Nepomuk Nestroy Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion