Einer der interessantesten und verhängnisvollsten Irrtümer, dem Menschen und ganze Völker erliegen können, ist es, sich für das besondere Werkzeug des göttlichen Willens zu halten.
- Bertrand Russell

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat kritisiert Bertrand Russell die gefährliche Vorstellung, dass Menschen oder Völker glauben könnten, sie seien direkt von einem göttlichen Willen bestimmt oder auserwählt. Dieser Irrglaube hat nicht nur individuelle, sondern auch gesellschaftliche Konsequenzen, da er häufig dazu führt, dass Menschen ihre Handlungen und Überzeugungen als unfehlbar und gerecht betrachten. Russell warnt davor, dass dieser Glaube zu Machtmissbrauch und blindem Gehorsam führen kann, da er die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zur Anerkennung menschlicher Fehler ausschaltet.
Russell zeigt auf, dass der Glaube, im Namen eines höheren göttlichen Willens zu handeln, oft zu Verirrungen und Katastrophen führen kann, besonders wenn er politisch oder gesellschaftlich in den Vordergrund tritt. Diese Haltung wird besonders gefährlich, wenn Gruppen oder Nationen glauben, sie seien durch Gott oder eine höhere Macht auserwählt, was oft zu Konflikten, Kriegen und der Unterdrückung von Andersdenkenden führt.
Das Zitat fordert uns dazu auf, unsere Überzeugungen und Handlungen stets zu hinterfragen und den Glauben an göttliche Bestimmung kritisch zu betrachten. Es erinnert uns daran, dass wahre Weisheit und moralische Führung in der Fähigkeit liegen, die menschliche Natur zu erkennen und sich für das Wohl aller Menschen einzusetzen, ohne sich auf einen übergeordneten göttlichen Plan zu berufen, der unsere eigenen Fehler und Vorurteile rechtfertigen könnte.
Zitat Kontext
Bertrand Russell war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Sozialkritiker, der eine zentrale Figur in der Philosophie des 20. Jahrhunderts darstellt. Als Verfechter des Humanismus, der Vernunft und der wissenschaftlichen Weltanschauung kritisierte Russell die Religion und die dogmatischen Überzeugungen, die seiner Ansicht nach den Fortschritt der Menschheit behinderten. In vielen seiner Schriften und Reden stellte er die Frage nach der Verantwortung des Individuums und der Gesellschaft und warnte vor den Gefahren des religiösen Fanatismus.
Das Zitat reflektiert eine seiner Hauptkritiken: den Missbrauch von Religion und religiösen Überzeugungen als Rechtfertigung für politische oder soziale Gewalt. Russell erlebte in seiner Zeit die Auswirkungen von Weltkriegen, Kolonialismus und politischen Bewegungen, die sich auf göttliche Bestimmung beriefen, um ihre Handlungen zu legitimieren. Insbesondere die Rolle von Religion in politischen Systemen und deren Verwendung als Werkzeug der Macht waren Themen, die in seiner Arbeit wiederholt behandelt wurden.
Im historischen Kontext ist dieses Zitat eine Warnung vor den Gefahren, die entstehen, wenn Menschen oder ganze Nationen sich als von göttlichem Willen oder Schicksal bestimmt ansehen. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Geschichte viele tragische Beispiele von Machtmissbrauch und gewaltsamen Konflikten liefert, die durch solche Überzeugungen befeuert wurden. Russell fordert eine Ethik, die auf Vernunft und Verantwortung beruht und den Glauben an eine höhere göttliche Bestimmung hinterfragt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Bertrand Russell
- Tätigkeit:
- brit. Philosoph, Mathematiker, Logiker, Historiker, Schriftsteller
- Epoche:
- Moderne
- Emotion:
- Keine Emotion