Ein Mensch, der Gott fürchtet, ist wenig zu fürchten, sein Anhang ist nicht schrecklich, er ist beinahe allein, und man kann ihm vieles Üble zufügen, ehe man ihn dahin bringt, sich zu wehren.
- Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat
Rousseaus Zitat wirft eine kritische Perspektive auf den Zusammenhang zwischen Religion, Macht und Widerstand auf.
Er beschreibt, dass ein Mensch, der Gott fürchtet, in der Regel keine Gefahr für andere darstellt. Er ist in sich gekehrt, oft allein und neigt nicht dazu, Gewalt anzuwenden. Dies könnte man als eine positive Eigenschaft deuten – doch Rousseau weist gleichzeitig darauf hin, dass genau diese Haltung ihn verwundbar macht.
Das Zitat spricht damit ein fundamentales Dilemma an: Derjenige, der sich auf seine Spiritualität verlässt und nicht nach weltlicher Macht strebt, wird oft unterdrückt. Er erträgt Leid, anstatt sich zu wehren, weil sein Fokus auf einer höheren Ordnung liegt.
In der modernen Welt könnte man dieses Zitat auf viele gesellschaftliche Gruppen anwenden, die aus moralischen oder religiösen Gründen nicht aggressiv agieren und deshalb oft benachteiligt werden. Rousseau regt dazu an, darüber nachzudenken, ob eine zu friedfertige Haltung in einer ungerechten Welt zum eigenen Nachteil wird.
Zitat Kontext
Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) war ein bedeutender Philosoph der Aufklärung, dessen Ideen über Gesellschaft und Politik tiefgreifenden Einfluss hatten.
Dieses Zitat steht in einem größeren Kontext seiner Gedanken über den Einfluss der Religion auf das politische Leben. Rousseau war ein Kritiker sowohl des Absolutismus als auch der institutionellen Religion, die er als Mittel zur Kontrolle der Massen betrachtete.
Der historische Hintergrund dieses Zitats ist eng mit der gesellschaftlichen Ordnung des 18. Jahrhunderts verknüpft. Viele Menschen lebten in Unterdrückung, während die Kirche und der Adel ihre Macht sicherten. Rousseau stellte infrage, ob religiöse Demut dazu führt, dass Menschen sich nicht gegen Ungerechtigkeit auflehnen.
Heute bleibt diese Diskussion aktuell. In vielen Gesellschaften gibt es Gruppen, die friedlich leben und dennoch unterdrückt werden. Rousseaus Worte fordern dazu auf, über die Rolle von Glauben und Widerstand nachzudenken. Sie stellen die Frage: Ist es besser, sich anzupassen und Leid zu ertragen, oder sollte man sich gegen Unrecht auflehnen?
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean-Jacques Rousseau
- Tätigkeit:
- französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
- Epoche:
- Aufklärung
- Mehr?
- Alle Jean-Jacques Rousseau Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion