Die Tugend stiehlt sich wie ein Schuldiger in die geheimen Verstecke des Lasters und der Schande, klammert sich an ihr ergebenes Opfer und lässt sich nicht ganz vertreiben. Nichts kann das menschliche Herz zerstören.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hazlitt beschreibt hier die beständige Präsenz der Tugend selbst inmitten von Laster und Schande.
Seine Worte suggerieren, dass moralische Prinzipien nicht einfach verschwinden, selbst wenn ein Mensch sich dem Laster oder moralischer Verderbtheit hingibt. Tugend scheint sich wie ein heimlicher Schatten in das tiefste Dunkel zu schleichen, sich an das Individuum zu klammern und niemals vollständig zu verschwinden.
Dies kann als Ausdruck der menschlichen Fähigkeit zur Reue und zur moralischen Erneuerung verstanden werden. Selbst jene, die tief gefallen sind, bewahren oft eine Erinnerung an ihre eigenen Ideale und Werte. Die Vorstellung, dass das menschliche Herz unzerstörbar ist, kann als Zeichen von Hoffnung gesehen werden – egal, wie weit jemand moralisch abrutscht, eine Rückkehr zur Tugend ist immer möglich.
Hazlitts Zitat fordert uns auf, über die Komplexität menschlicher Moral nachzudenken. Niemand ist völlig gut oder böse – und selbst in den scheinbar schlechtesten Menschen kann ein Funke Tugend überleben. Dies regt zur Reflexion über Vergebung, zweite Chancen und die innere Widerstandskraft des menschlichen Herzens an.
Zitat Kontext
William Hazlitt (1778–1830) war ein englischer Essayist, Literaturkritiker und Philosoph, der sich intensiv mit menschlicher Natur und Moral beschäftigte.
Sein Zitat steht in der Tradition der moralischen Reflexion über das Zusammenspiel von Tugend und Laster. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden moralische Debatten stark von der Vorstellung geprägt, dass Menschen entweder gut oder schlecht seien. Hazlitt hingegen betonte die Ambivalenz des menschlichen Charakters: Tugend und Laster sind oft miteinander verwoben.
Diese Perspektive war eine Kritik an moralischem Dogmatismus und an Gesellschaften, die Menschen in starre Kategorien einteilten. Hazlitt erkannte, dass Moral keine feste Größe ist, sondern dass selbst die vermeintlich Tugendhaften Momente der Schwäche haben – und umgekehrt auch in den Lasterhaften ein moralischer Funke bestehen bleibt.
Seine Worte bleiben auch heute relevant. In einer Gesellschaft, die oft in Schwarz-Weiß-Kategorien denkt, erinnert Hazlitt daran, dass Menschen vielschichtig sind. Niemand ist nur seine Fehler – und niemand ist völlig frei von innerem moralischen Konflikt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion