Die Schwierigkeit für die meisten von uns in der modernen Welt besteht darin, dass die altmodische Vorstellung von Gott unglaubwürdig oder unplausibel geworden ist.
- Alan Watts

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat von Alan Watts wird eine zentrale Herausforderung der modernen Welt angesprochen: die Entfremdung von traditionellen religiösen Vorstellungen in einer zunehmend säkularen und wissenschaftlich orientierten Gesellschaft. Watts, ein bedeutender Denker und Lehrer der östlichen Philosophie, sieht in der Schwierigkeit, an die traditionelle Vorstellung von Gott zu glauben, eine tiefe Spaltung zwischen der modernen Lebensweise und den spirituellen Wurzeln vieler westlicher Kulturen.
Das Zitat verweist auf die Veränderung des Verständnisses von Gott, die in der westlichen Welt durch den Aufstieg der Wissenschaft, der Aufklärung und des Materialismus verursacht wurde. Während früher die Vorstellung eines allmächtigen, persönlichen Gottes für viele Menschen eine Grundlage für ihre Weltanschauung war, erscheint diese Vorstellung heute vielen als zu eng, zu anthropozentrisch oder gar unvereinbar mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft.
Doch Watts impliziert, dass es nicht nur um eine Ablehnung der Idee eines Gottes geht, sondern vielmehr um das Fehlen eines tieferen Verständnisses von Spiritualität, das über dogmatische und veraltete Konzepte hinausgeht. Für Watts ist die wahre spirituelle Erfahrung eine, die über das intellektuelle Verstehen hinausgeht und im Erleben und im Sein verwurzelt ist. Er fordert uns heraus, die Begrenzungen traditioneller religiöser Bilder zu überwinden und einen erweiterten Zugang zu einem tieferen, universellen Verständnis von Spiritualität zu finden.
Die Herausforderung, die Watts beschreibt, ist daher nicht nur eine intellektuelle, sondern auch eine existenzielle. In einer Welt, die zunehmend von Materialismus und Rationalismus geprägt ist, bleibt die Frage, wie man spirituelle Erfahrungen und Transzendenz in Einklang mit der modernen Welt bringen kann. Watts fordert uns auf, diese Frage nicht nur mit dem Verstand zu beantworten, sondern auch mit der Offenheit für eine neue Wahrnehmung von Spiritualität und Göttlichkeit.
Zitat Kontext
Alan Watts (1915-1973) war ein britischer Philosoph und Autor, der vor allem durch seine Vermittlung östlicher Philosophie und Spiritualität im Westen bekannt wurde. Er kombinierte Zen-Buddhismus, Taoismus und andere asiatische Denkschulen mit westlicher Philosophie und Psychologie. Seine Arbeiten bieten tiefgehende Einsichten in die Natur des Bewusstseins, die menschliche Existenz und die spirituelle Praxis. Watts war besonders bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Themen verständlich und zugänglich zu machen.
In diesem Zitat reflektiert Watts über das zunehmende Unverständnis oder die Ablehnung traditioneller religiöser Vorstellungen in der modernen Welt. Diese Haltung war eine Reaktion auf die aufkommenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und den Fortschritt der Aufklärung, die das Bild eines allmächtigen, übernatürlichen Gottes zunehmend infrage stellten. Insbesondere die materialistische Weltsicht, die die menschliche Existenz auf biologische und physikalische Prozesse reduziert, hat dazu geführt, dass viele Menschen das Konzept eines persönlichen, eingreifenden Gottes als unplausibel empfinden.
Watts spricht hier nicht nur von einer intellektuellen Schwierigkeit, sondern auch von einer tiefergehenden spirituellen Krise. Die traditionelle Vorstellung von Gott als eine absolute, personalisierte Entität erschien vielen als nicht mehr mit den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar. In den 1960er Jahren, als Watts seine Philosophie popularisierte, war dies ein Thema von wachsender Bedeutung, da immer mehr Menschen die Grenzen der traditionellen Religion hinterfragten. Watts forderte dazu auf, die spirituelle Dimension des Lebens jenseits der traditionellen religiösen Dogmen zu erforschen und zu erleben. Für ihn war die wahre spirituelle Erkenntnis nicht in Dogmen zu finden, sondern in der direkten Erfahrung des Lebens und des Universums.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Alan Watts
- Tätigkeit:
- brit. Philosoph, Schriftsteller und Redner
- Epoche:
- Nachkriegszeit
- Emotion:
- Keine Emotion