Die moderne Sympathie für den Schmerz hat etwas furchtbar Krankhaftes. Man sollte mit den Farben, der Schönheit, der Freude des Lebens sympathisieren. Je weniger über die Wunden des Lebens gesagt wird, desto besser.

- Oscar Wilde

Oscar Wilde

Klugwort Reflexion zum Zitat

Oscar Wilde äußert hier eine provokante Kritik an der gesellschaftlichen Fixierung auf Leid und Schmerz.

Er stellt die Frage, warum so viel Aufmerksamkeit auf negative Aspekte des Lebens gerichtet wird, anstatt auf Schönheit, Freude und Farben. Diese Perspektive widerspricht der weit verbreiteten Annahme, dass Mitleid und Empathie für Leid essenziell seien. Doch Wilde scheint zu argumentieren, dass eine ständige Betonung des Schmerzes dazu führen kann, dass wir die positiven Aspekte des Lebens übersehen.

Seine Aussage könnte als Plädoyer für eine ästhetische Lebenshaltung verstanden werden: Statt sich im Schmerz zu verlieren, sollte man sich auf das Schöne konzentrieren. Dies bedeutet nicht, Leid zu ignorieren, sondern es nicht zum Mittelpunkt des Daseins zu machen.

In der heutigen Zeit könnte Wildes Aussage auf die mediale Berichterstattung über Krisen und Katastrophen angewendet werden. Nachrichten sind oft von negativen Schlagzeilen dominiert, während Freude und Schönheit in den Hintergrund rücken. Sein Zitat lädt dazu ein, das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten – nicht durch die Linse des Leids, sondern durch die der Freude.

Zitat Kontext

Oscar Wilde (1854–1900) war ein irischer Schriftsteller und Ästhet, der für seinen scharfsinnigen Humor und seine kritische Betrachtung gesellschaftlicher Konventionen bekannt war.

Dieses Zitat spiegelt Wildes ästhetizistische Philosophie wider, die Schönheit und Kunst über Moral und Leid stellte. Wilde glaubte, dass Kunst und Leben vor allem von Schönheit geprägt sein sollten, und lehnte eine übermäßige Beschäftigung mit Schmerz und Elend ab.

Im viktorianischen Zeitalter, in dem Wilde lebte, war Sentimentalität weit verbreitet. Literatur und Gesellschaft beschäftigten sich intensiv mit moralischer Belehrung und der Darstellung von Leid. Wilde setzte dem eine radikal andere Perspektive entgegen: Das Leben sollte nach ästhetischen Prinzipien geführt werden, nicht nach einer Fixierung auf Schmerz.

Seine Worte bleiben auch heute aktuell. In einer Welt, in der Tragödien oft im Mittelpunkt stehen, erinnert Wilde daran, dass Schönheit, Freude und Kunst ebenso wert sind, beachtet zu werden. Sein Zitat ist ein Aufruf, das Leben nicht nur als eine Abfolge von Leiden zu betrachten, sondern als eine Möglichkeit, Schönheit und Freude aktiv zu erleben.

Daten zum Zitat

Autor:
Oscar Wilde
Tätigkeit:
irischer Schriftsteller, Poet und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion