Die Menschen müssen die Natur schon ein bißchen verdorben haben, weil sie doch nicht als Wölfe geboren werden und sind doch Wölfe geworden: Gott hat ihnen weder Vierundzwanzigpfünder noch Bajonette gegeben, und sie schufen sich Bajonette und Kanonen, einander zu vernichten.
- Voltaire

Klugwort Reflexion zum Zitat
Voltaires Aussage bringt eine tiefe Kritik an der menschlichen Zivilisation zum Ausdruck. Er hebt hervor, dass die Menschen ursprünglich nicht mit den Werkzeugen oder Instinkten zur gegenseitigen Vernichtung ausgestattet waren, wie es bei Raubtieren der Fall ist. Dennoch haben sie es geschafft, solche Werkzeuge zu entwickeln und einzusetzen, was auf eine moralische und kulturelle Degeneration hindeutet. Dieses Zitat wirft die Frage auf, warum Menschen ihre Intelligenz und Kreativität oft für destruktive Zwecke einsetzen, anstatt für den Aufbau einer friedlicheren und harmonischeren Welt.
Die Metapher der „Wölfe“ unterstreicht die Idee, dass Menschen ihre natürliche Unschuld oder Reinheit verloren haben und stattdessen eine Art von Grausamkeit entwickelt haben, die ihrer eigentlichen Natur widerspricht. Voltaire deutet hier an, dass es die menschliche Gesellschaft und Kultur sind, die diesen Wandel herbeigeführt haben. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Kritik an der Gewaltbereitschaft der Menschen, sondern auch an den gesellschaftlichen Strukturen, die diese fördern oder dulden.
Das Zitat ruft uns dazu auf, über den menschlichen Fortschritt nachzudenken: Ist er wirklich ein Fortschritt, wenn er gleichzeitig zu immer ausgeklügelteren Mitteln der Zerstörung führt? Es ist eine Aufforderung, Verantwortung für die Nutzung unserer Fähigkeiten zu übernehmen und uns bewusst zu machen, welche Auswirkungen unser Handeln auf die Menschheit und die Natur hat.
Zitat Kontext
Voltaire, einer der führenden Denker der Aufklärung im 18. Jahrhundert, kritisierte in seinen Werken scharf die religiösen, sozialen und politischen Missstände seiner Zeit. Dieses Zitat spiegelt seine Skepsis gegenüber der menschlichen Natur und der Entwicklung der Zivilisation wider. In einer Zeit, die von zahlreichen Kriegen und kolonialer Expansion geprägt war, beobachtete Voltaire, wie die Errungenschaften des menschlichen Geistes, wie Wissenschaft und Technologie, oft für destruktive Zwecke verwendet wurden.
Der Begriff „Wölfe“ wurde von Voltaire bewusst gewählt, um die Verrohung und Aggressivität der Menschen zu verdeutlichen. Während Wölfe aus Instinkt handeln, deutet Voltaire an, dass Menschen ihre Fähigkeit zur Vernunft und Moral verraten haben, indem sie bewusst Waffen entwickelten, um einander zu schaden. Diese Beobachtung spiegelt nicht nur seine Kritik an der Kriegsführung seiner Zeit wider, sondern auch an den institutionellen und kulturellen Mechanismen, die Gewalt und Zerstörung fördern.
Das Zitat hat auch eine tiefere philosophische Dimension, indem es die Frage aufwirft, ob der Mensch von Natur aus gut oder schlecht ist. Voltaire gehörte zu den Aufklärern, die daran glaubten, dass Bildung und Vernunft den Menschen zu einem besseren Wesen machen können. Seine Kritik zielt darauf ab, die Menschen dazu zu bewegen, ihr Handeln zu reflektieren und sich auf die Prinzipien von Frieden und Humanität zu besinnen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Voltaire
- Tätigkeit:
- französischen Schriftsteller, Philosoph und Intellektueller
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion