Die Frauen müssen soviel Kraft haben, daß sie alles, was sie tun, mit Anmut tun können; die Männer brauchen soviel Geschicklichkeit, daß sie alles, was sie tun, leicht tun können.
- Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat
Rousseau beschreibt hier eine Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Stärke. Während Frauen Kraft besitzen sollen, um ihre Handlungen mit Anmut auszuführen, wird Männern Geschicklichkeit zugeschrieben, damit ihnen ihre Tätigkeiten leicht von der Hand gehen.
Auf den ersten Blick mag dies wie eine geschlechtsspezifische Rollenzuweisung wirken. Doch es lässt sich auch anders interpretieren: Rousseau erkennt an, dass sowohl Männer als auch Frauen Fähigkeiten entwickeln müssen, die über körperliche Kraft hinausgehen. Anmut ist nicht gleichzusetzen mit Schwäche, und Leichtigkeit entsteht nicht durch bloße Überlegenheit, sondern durch Geschick und Übung.
Das Zitat kann als Reflexion über Balance verstanden werden: Es geht nicht um eine strikte Trennung zwischen männlichen und weiblichen Eigenschaften, sondern um die harmonische Verbindung von Stärke und Eleganz, von Effizienz und Ausdruck.
In der heutigen Zeit, in der traditionelle Geschlechterrollen zunehmend hinterfragt werden, bleibt Rousseaus Aussage ein interessanter Ausgangspunkt für die Diskussion darüber, welche Qualitäten wirklich wichtig sind – unabhängig vom Geschlecht.
Zitat Kontext
Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) war ein bedeutender Denker der Aufklärung, dessen Ideen tiefgreifende Auswirkungen auf politische Theorien und Bildungskonzepte hatten. Sein Werk „Émile oder über die Erziehung“ beschäftigte sich mit der idealen Entwicklung von Individuen – jedoch mit einer klaren Unterscheidung zwischen Männern und Frauen.
Rousseau vertrat die Ansicht, dass Männer auf öffentliche, aktive Rollen vorbereitet werden sollten, während Frauen in einer häuslichen, unterstützenden Funktion idealisiert wurden. Seine Vorstellung von weiblicher Anmut als essenzielle Eigenschaft entsprach den damaligen gesellschaftlichen Normen, steht aber heute in der Kritik.
Dennoch können seine Gedanken zur Balance zwischen Kraft, Geschicklichkeit und Ausdruck als Anregung für moderne Debatten über Erziehung und individuelle Entwicklung gesehen werden. In einer Zeit, in der starre Geschlechterrollen zunehmend aufgelöst werden, bleibt sein Zitat eine Erinnerung daran, dass es weniger um feste Kategorien geht, sondern um die Kultivierung von Fähigkeiten, die den Einzelnen stärken – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean-Jacques Rousseau
- Tätigkeit:
- französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion