Die alten Wohlbekannten alle weg; die damals Jungen, darunter ich, jetzt alt und auch rücksichtslos so genannt, wie's denn auch wahr ist. Dahinter der junge Nachschub, bereit, seine Vordermänner bei passender Gelegenheit in schwarze Kisten zu verpacken und in's Suterräng zu bringen. Es geht schnell, wenn man so umschaut. Man betrachtet mit Wehmuth das spielende Kindervolk, mit staunender Genugthuung sehr Alte, die es ausnahmsweise so lang ausgehalten, ohne schwach zu werden.

- Wilhelm Busch

Wilhelm Busch

Klugwort Reflexion zum Zitat

Wilhelm Busch beschreibt in diesem Zitat mit einer Mischung aus Melancholie und Ironie die Unaufhaltsamkeit des Lebenszyklus. Er reflektiert über das Altern und die Vergänglichkeit der Generationen. Die „alten Wohlbekannten“ sind verschwunden, während die jüngeren, die einst voller Energie und Zukunft waren – einschließlich ihm selbst – alt geworden sind. Hinter ihnen wartet bereits die nächste Generation, um deren Platz einzunehmen, wobei die Metapher der „schwarzen Kisten“ die Endlichkeit des Lebens betont.

Die wehmütige Betrachtung des Kindervolks und die „staunende Genugthuung“ über sehr Alte, die noch vital sind, zeigen Buschs Fähigkeit, Tragik und Bewunderung zu verbinden. Dieses Zitat lädt dazu ein, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken, aber auch über die Rolle, die jede Generation im großen Ganzen spielt. Es fordert auf, sowohl das Leben als auch das Altern bewusst zu akzeptieren und den Moment zu schätzen, bevor er der nächsten Generation überlassen wird.

In der modernen Gesellschaft, die oft von Jugendkult und einem Verdrängen des Alters geprägt ist, bleibt Buschs Beobachtung relevant. Sie erinnert daran, dass Altern keine Schwäche, sondern ein natürlicher Teil des Lebens ist, der mit Würde und Einsicht angenommen werden sollte. Seine Worte mahnen, das Leben nicht nur in seiner Vergänglichkeit zu sehen, sondern auch in der Schönheit, die in jedem Lebensabschnitt liegt.

Zitat Kontext

Wilhelm Busch, bekannt als humoristischer Zeichner und Dichter, verbindet in diesem Zitat seine charakteristische Ironie mit einer tiefen Reflexion über das Leben und die Zeit. Geschrieben in einer Ära des Umbruchs im 19. Jahrhundert, als Industrialisierung und gesellschaftliche Veränderungen das Leben beschleunigten, greift Busch ein Thema auf, das universell bleibt: die Unaufhaltsamkeit des Alterns und den stetigen Wandel der Generationen.

Der Kontrast zwischen dem spielenden Kindervolk, das die Zukunft verkörpert, und den „sehr Alten“, die sich gegen die Schwäche des Alters behaupten, spiegelt Buschs Fähigkeit wider, menschliche Erfahrungen mit einem Hauch von Humor und Ehrfurcht darzustellen. Seine Worte sind nicht nur eine persönliche Reflexion, sondern auch eine Beobachtung des menschlichen Lebens als kollektives und sich ständig erneuerndes Phänomen.

Heute, in einer Zeit, die oft von einem schnellen Lebensrhythmus und einer Verdrängung des Themas Alter geprägt ist, bietet Buschs Zitat eine Gelegenheit, innezuhalten. Es ermutigt dazu, die Übergänge zwischen den Generationen bewusst wahrzunehmen und den Wert jedes Lebensabschnitts zu erkennen. Seine Worte erinnern daran, dass das Altern nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Einsicht und Verbundenheit mit dem ewigen Kreislauf des Lebens.

Daten zum Zitat

Autor:
Wilhelm Busch
Tätigkeit:
Dichter, Zeichner, Karikaturist
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion