Dichten ist immer die Wiedergabe von Erinnerung. Die Erinnerung aber ist selbst etwas Dichtendes, künstlerisch Zusammenfassendes und Auswählendes.
- Christian Morgenstern
Klugwort Reflexion zum Zitat
Christian Morgenstern beschreibt in diesem Zitat die tiefgreifende Verbindung zwischen Dichten und Erinnerung. Er zeigt, dass sowohl das künstlerische Schaffen als auch das Erinnern aktive Prozesse sind, die nicht bloß abbilden, sondern gestalten und interpretieren. Erinnerung wird hier nicht als bloße Speicherung von Erlebtem verstanden, sondern als ein kreativer Akt, der Eindrücke auswählt, verbindet und neu formt.
Das Dichten, als bewusster Ausdruck von Gedanken und Gefühlen, entsteht aus diesem rekonstruierten Material der Erinnerung. Morgenstern deutet an, dass Erinnerungen selbst bereits ein dichterisches Element besitzen, da sie die Wirklichkeit nicht nur bewahren, sondern subjektiv neu erschaffen. Der Dichter nutzt diese subjektive Neuschöpfung, um sie in einer künstlerischen Form weiterzuentwickeln und mit anderen zu teilen.
Dieses Zitat regt dazu an, über die Beziehung zwischen Realität, Erinnerung und Kunst nachzudenken. Es zeigt, wie Erinnerung sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft ein Werkzeug ist, um Erfahrungen sinnhaft zu ordnen und Bedeutungen zu erschaffen. In der Dichtung wird dieser Prozess auf die Spitze getrieben, indem Erinnerungen bewusst gestaltet und als Kunstwerk präsentiert werden.
Morgensterns Worte laden dazu ein, das eigene Erinnern und Schaffen als kreative Akte zu erkennen. Sie erinnern daran, dass Kunst und Erinnerung eng miteinander verwoben sind, da beide auf Auswahl, Interpretation und persönlicher Perspektive beruhen. Seine Botschaft ist eine Feier der künstlerischen und erinnernden Kraft des Menschen, die Realität nicht nur zu erleben, sondern sie aktiv zu gestalten.
Zitat Kontext
Christian Morgenstern, ein deutscher Dichter und Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts, ist bekannt für seine philosophischen und lyrischen Werke, die oft tiefe Reflexionen über die Natur der Kunst und des Lebens enthalten. Dieses Zitat reflektiert seine Sicht auf das kreative Schaffen als einen Prozess, der aus der Verbindung von subjektiver Erfahrung und künstlerischer Gestaltung entsteht.
Historisch gesehen schrieb Morgenstern in einer Zeit, die von psychologischen und philosophischen Erkundungen des menschlichen Bewusstseins geprägt war. Die Idee, dass Erinnerung nicht passiv, sondern aktiv und kreativ ist, passt zu den Erkenntnissen seiner Epoche über die subjektive Natur des menschlichen Erlebens.
Auch heute bleibt seine Botschaft relevant, da sie uns daran erinnert, wie sehr Kunst und Erinnerung unser Leben prägen. Sie zeigt, dass sowohl das Erinnern als auch das Dichten Möglichkeiten sind, die Welt zu ordnen und zu verstehen. Morgensterns Worte inspirieren dazu, die schöpferische Kraft in uns zu erkennen und zu schätzen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Christian Morgenstern
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller und Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion