Der Notleidende ist rücksichtslos, unsre Hilfe anzurufen; er bedenkt nie, wie sehr wir überbürdet sind mit Pflichten gegen uns selbst.
- Emanuel Wertheimer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Emanuel Wertheimers Zitat lenkt den Blick auf die Dynamik zwischen Hilfesuchenden und Helfenden. Es zeigt die oft übersehene Spannung, die entsteht, wenn jemand in Not ist und Hilfe einfordert, ohne die Belastungen oder Grenzen desjenigen zu bedenken, an den er sich wendet. Diese Beobachtung deutet auf eine grundlegende menschliche Erfahrung hin: die Herausforderung, Mitgefühl und Selbstfürsorge in Balance zu halten.
Wertheimer beschreibt den Notleidenden als ‚rücksichtslos‘, was weniger eine moralische Kritik ist, sondern vielmehr die Dringlichkeit seiner Lage reflektiert. In der Not sind Menschen oft nicht in der Lage, die Perspektive des anderen zu berücksichtigen, weil ihr eigenes Leiden sie überwältigt. Gleichzeitig erinnert uns das Zitat daran, dass auch der Helfende Pflichten gegenüber sich selbst hat und nicht unbegrenzt geben kann, ohne sich dabei zu erschöpfen.
Das Zitat regt dazu an, über die Grenzen von Hilfsbereitschaft und die Notwendigkeit von Selbstfürsorge nachzudenken. Es fordert eine Reflexion darüber, wie wir in unserer Gesellschaft Unterstützung leisten können, ohne uns selbst zu überfordern, und wie wir den Notleidenden helfen können, ohne unsere eigenen Bedürfnisse völlig zu ignorieren. Es zeigt, dass echte Hilfe nur dann nachhaltig sein kann, wenn sie sowohl die Bedürfnisse des Hilfesuchenden als auch die des Helfenden berücksichtigt.
In einer modernen Welt, die oft von steigenden Anforderungen und Stress geprägt ist, bleibt diese Botschaft aktuell. Sie fordert uns auf, Mitgefühl mit Klugheit und Achtsamkeit zu verbinden und eine Balance zwischen Geben und Selbstschutz zu finden. Wertheimers Worte erinnern uns daran, dass weder Helfen noch Hilfe erbitten isoliert betrachtet werden sollten, sondern Teil eines wechselseitigen Prozesses sind, der Empathie und Grenzen gleichermaßen respektiert.
Zitat Kontext
Emanuel Wertheimer, ein österreichischer Philosoph und Aphoristiker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine prägnanten und oft ironischen Beobachtungen über die menschliche Natur. Dieses Zitat reflektiert sein Interesse an den komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen und den inneren Konflikten, die aus sozialen Verpflichtungen entstehen.
Im historischen Kontext seiner Zeit, die von industriellem und sozialem Wandel geprägt war, könnten solche Überlegungen auf die wachsenden Spannungen zwischen Individuum und Gesellschaft hindeuten. Wertheimers Worte thematisieren die Notwendigkeit, individuelle Belastungen in einer zunehmend vernetzten Welt zu erkennen und anzuerkennen.
Auch heute bleibt seine Beobachtung relevant, da sie universelle Fragen nach Empathie, Selbstfürsorge und der Dynamik von Geben und Nehmen aufwirft. Sie erinnert daran, dass Mitgefühl nicht grenzenlos sein muss und dass Selbstfürsorge kein Egoismus ist, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige Hilfe.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Emanuel Wertheimer
- Tätigkeit:
- ungar. deutsch. österr. Aphoristiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion