Der Mensch ward zum Tun und nicht zum Vernünfteln erschaffen. Aber eben deswegen, weil er nicht dazu erschaffen ward, hängt er diesem mehr als jenem nach. Seine Bosheit unternimmt allzeit das, was er nicht soll, und seine Verwegenheit allzeit das, was er nicht kann. Er, der Mensch, sollte sich Schranken setzen lassen?

- Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat

Gotthold Ephraim Lessing gelingt es mit diesem Zitat, ein tiefgreifendes Paradoxon der menschlichen Natur zu beschreiben. Seine Worte fordern dazu auf, über die Diskrepanz zwischen Handeln und Denken nachzudenken. Obwohl der Mensch laut Lessing zum Tun bestimmt ist, neigt er doch dazu, sich in endlosen Überlegungen und Diskussionen zu verlieren. Gleichzeitig zeigt er auf, wie oft der Mensch das Verbotene sucht und sich an Herausforderungen wagt, die seine Fähigkeiten übersteigen.

Diese Reflexion ruft ein Wechselbad der Gefühle hervor: einerseits Bewunderung für den menschlichen Drang, Grenzen zu überschreiten, andererseits eine stille Mahnung, die Konsequenzen dieses Handelns nicht zu unterschätzen. Lessings Worte werfen Fragen auf, die bis heute von Bedeutung sind: Warum streben wir so oft nach dem, was uns verwehrt ist? Warum riskieren wir so viel, selbst wenn wir wissen, dass unsere Bemühungen scheitern könnten? Es ist eine Einladung, sowohl die eigenen Motivationen als auch die menschliche Natur im Allgemeinen kritisch zu hinterfragen.

Das Zitat inspiriert dazu, die Balance zwischen Vernunft und Tatkraft zu finden. Es erinnert uns daran, dass das Leben nicht nur aus Nachdenken oder bloßem Handeln besteht, sondern aus der Fähigkeit, beides auf sinnvolle Weise zu vereinen. Es ist eine Aufforderung, Schranken als Möglichkeit zur Selbstreflexion zu sehen und gleichzeitig den Mut zu bewahren, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Zitat Kontext

Gotthold Ephraim Lessing, einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Denker der Aufklärung, lebte im 18. Jahrhundert in einer Zeit des Umbruchs. Mit seinen Werken prägte er die deutsche Literatur und Philosophie nachhaltig. Das vorliegende Zitat spiegelt seine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der menschlichen Natur wider und gehört vermutlich zu einem seiner dramatischen oder philosophischen Texte.

Lessing lebte in einer Epoche, die von der Vernunft und dem Glauben an den Fortschritt dominiert war. Doch trotz dieser optimistischen Sichtweise auf die Menschheit war er sich der menschlichen Schwächen und Widersprüche bewusst. Seine Worte sind nicht nur eine philosophische Analyse, sondern auch eine subtile Kritik an der Unfähigkeit des Menschen, stets rational und konsequent zu handeln.

Das Zitat zeigt Lessings tiefes Verständnis für die Ambivalenz des menschlichen Wesens. Es fordert den Leser auf, über die Beziehung zwischen Vernunft, Handlung und moralischer Verantwortung nachzudenken. In einer Welt, die zunehmend von Rationalität und Effizienz geprägt wird, erinnern uns Lessings Worte daran, dass der Mensch immer ein Wesen voller Widersprüche bleibt – ein Wesen, das nicht nur handeln, sondern auch träumen, streben und manchmal scheitern muss, um wirklich Mensch zu sein.

Daten zum Zitat

Autor:
Gotthold Ephraim Lessing
Tätigkeit:
deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion