Der Lakedaimonier Phedaretes bewirbt sich um Aufnahme in den Rat der Dreihundert. Er wird verworfen. Voller Freude, daß es in Sparta dreihundert bessere Männer als ihn gibt, geht er wieder nach Hause.

- Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean-Jacques Rousseau hebt mit dieser Anekdote aus Sparta eine Haltung hervor, die von Bescheidenheit, Gemeinsinn und wahrer Größe geprägt ist.

Phedaretes freut sich über seine Ablehnung, da sie bezeugt, dass es in seiner Gemeinschaft dreihundert Männer gibt, die noch besser geeignet sind, das Gemeinwohl zu vertreten. Diese Einstellung widerspricht der oft vorherrschenden Sichtweise, in der persönlicher Erfolg als oberste Priorität gilt. Stattdessen feiert Phedaretes die Stärke der Gemeinschaft und sieht in der Ablehnung keinen Verlust, sondern einen Grund zur Freude.

Das Zitat regt dazu an, den eigenen Platz im größeren Ganzen zu reflektieren und egoistische Ziele zugunsten eines höheren Gemeinwohls zurückzustellen. Es fordert uns auf, persönliche Rückschläge nicht als Niederlagen zu betrachten, sondern als Chance, Vertrauen in die Fähigkeiten anderer zu entwickeln und eine gemeinschaftsorientierte Perspektive einzunehmen. Diese Haltung, die von innerer Stärke und Demut zeugt, könnte uns auch heute helfen, Konkurrenzdruck und Neid zu überwinden.

Zitat Kontext

Jean-Jacques Rousseau griff oft auf Beispiele aus der Antike zurück, um seine Vorstellungen von Gesellschaft und Moral zu illustrieren. Diese Geschichte über Phedaretes aus Sparta spiegelt Rousseaus Ideal des Gemeinsinns wider, das er auch in seinem Werk *Der Gesellschaftsvertrag* betont. Sparta, bekannt für seinen militärischen und gemeinschaftsorientierten Lebensstil, war für Rousseau ein Beispiel für eine Gesellschaft, in der individuelle Interessen den Bedürfnissen der Gemeinschaft untergeordnet wurden.

Zur Zeit Rousseaus, im 18. Jahrhundert, war die Idee der Aufklärung eng mit dem Streben nach Gemeinwohl und Tugendhaftigkeit verbunden. Dieses Beispiel aus Sparta verdeutlicht, wie eine Kultur des Respekts und der Anerkennung für die Stärken anderer eine gesunde und funktionierende Gesellschaft fördern kann.

Auch heute hat diese Haltung Relevanz, besonders in einer Welt, die oft von Individualismus und Wettbewerb geprägt ist. Rousseaus Beispiel zeigt uns, wie Demut und die Fähigkeit, die Fähigkeiten anderer zu schätzen, eine Grundlage für eine kooperative und gerechte Gesellschaft bilden können. Es ist eine Erinnerung daran, dass wahre Größe nicht im persönlichen Triumph, sondern in der Förderung des Gemeinwohls liegt.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean-Jacques Rousseau
Tätigkeit:
französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion