Der Gedanke des sterbenden Nero: Qualis artifex pereo! war auch der Gedanke des sterbenden Augustus: Histrionen-Eitelkeit! Histrionen-Schwatzhaftigkeit! Und recht das Gegenstück zum sterbenden Sokrates!

- Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche

Klugwort Reflexion zum Zitat

Friedrich Nietzsche stellt in diesem Zitat die unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Tod heraus. Er vergleicht die letzten Gedanken von Nero und Augustus mit denen von Sokrates und hebt die Theatralik der römischen Kaiser im Gegensatz zur philosophischen Gelassenheit des Sokrates hervor.

Die Worte 'Qualis artifex pereo!' (Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!) spiegeln Neros Selbstinszenierung und sein übersteigertes Ego wider. Ebenso betrachtete Augustus sein Leben als eine theatralische Aufführung. Beide wollten ihre Bedeutung im Moment des Todes noch einmal betonen. Sokrates hingegen nahm den Tod mit philosophischer Ruhe an und sah ihn nicht als persönliches Drama, sondern als einen Übergang.

Das Zitat fordert uns auf, über unseren eigenen Umgang mit Vergänglichkeit nachzudenken. Sehen wir unser Leben als eine Bühne, auf der wir bis zuletzt die Kontrolle behalten wollen? Oder können wir dem Tod mit Weisheit und Gelassenheit begegnen?

Letztendlich erinnert Nietzsche daran, dass das Ende eines Menschen viel über seine innere Haltung und sein Verständnis von Leben und Bedeutung aussagt. Die Art, wie jemand stirbt, kann ein Spiegel seiner gesamten Existenz sein.

Zitat Kontext

Friedrich Nietzsche (1844–1900) war ein deutscher Philosoph, der sich intensiv mit Macht, Moral und der menschlichen Natur auseinandersetzte. In vielen seiner Werke untersucht er den Einfluss von Kultur und Geschichte auf unsere Wahrnehmung von Werten.

Das Zitat bezieht sich auf die letzten Worte des römischen Kaisers Nero, der sich als Künstler und Schöpfer betrachtete, auch im Moment seines Todes. Augustus, der erste Kaiser Roms, hatte eine ähnliche Sicht auf seine Herrschaft – er inszenierte sich selbst als Schauspieler auf der großen Bühne der Geschichte.

Im Kontrast dazu steht Sokrates, der den Tod als philosophisches Ereignis betrachtete. Während Nero und Augustus in Theatralik und Ego verhaftet blieben, sah Sokrates das Ende als eine Gelegenheit zur letzten Reflexion.

Auch heute bleibt diese Unterscheidung relevant. Wie gehen wir mit unserer Vergänglichkeit um? Leben wir für den äußeren Schein oder für die innere Wahrheit? Nietzsche fordert uns auf, unsere Werte zu hinterfragen und die Rolle zu erkennen, die wir in unserem eigenen Leben spielen.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Nietzsche
Tätigkeit:
dt. Philosoph
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion