Der Fortschritt ist halt wie ein neuentdecktes Land: ein blühendes Kolonialsystem an der Küste, das Innere noch Wildnis, Steppe, Prärie.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroys Zitat ist eine prägnante Metapher für die Natur des Fortschritts, die sowohl seine Faszination als auch seine Unvollkommenheiten beleuchtet.
Der Vergleich mit einem neuentdeckten Land illustriert, dass Fortschritt oft an der Oberfläche glänzt – repräsentiert durch die 'blühende Küste' – während tiefere Schichten oder das 'Innere' oft unerforscht und unkontrolliert bleiben. Dies verdeutlicht eine zentrale Wahrheit: Fortschritt, so beeindruckend er zunächst erscheinen mag, ist selten vollständig oder ohne Herausforderungen. Vielmehr birgt er oft unbekannte Risiken und unerschlossene Potenziale.
Inhaltlich fordert das Zitat dazu auf, Fortschritt nicht nur oberflächlich zu betrachten, sondern auch seine langfristigen Auswirkungen und unbeantworteten Fragen zu hinterfragen. Es regt an, die Balance zwischen Begeisterung für neue Errungenschaften und kritischem Nachdenken über deren Konsequenzen zu finden. Fortschritt sollte nicht nur nach außen glänzen, sondern auch im Inneren einer nachhaltigen und ethischen Prüfung standhalten.
Das Bild von Steppe und Prärie weist darauf hin, dass Fortschritt Raum für Erkundung und Entwicklung lässt, aber auch Risiken und Unsicherheiten mit sich bringt. Kritisch könnte man fragen: Geht die Gesellschaft zu oft den Weg des geringsten Widerstands, indem sie nur die Küste besiedelt, ohne sich mit der Tiefe der Wildnis zu beschäftigen? Dieses Zitat erinnert uns daran, dass Fortschritt keine Endstation, sondern ein ständiger Prozess ist, der Achtsamkeit und Geduld erfordert.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy, ein österreichischer Dramatiker und Satiriker des 19. Jahrhunderts, schrieb in einer Zeit, die von den frühen Wellen der Industrialisierung und raschem technischen Wandel geprägt war. Diese Entwicklungen brachten große Hoffnungen auf Fortschritt, aber auch Ängste und Unsicherheiten über ihre sozialen und kulturellen Folgen mit sich.
Das Zitat spiegelt Nestroys kritische Haltung gegenüber der Idee des Fortschritts wider, wie sie im 19. Jahrhundert oft unreflektiert gefeiert wurde. Seine Werke zeichnen sich durch einen scharfen Humor und eine skeptische Haltung gegenüber gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen aus. Mit der Metapher des 'neuentdeckten Landes' verweist er auf die oft ungleiche Verteilung von Fortschritt – das äußere Erscheinungsbild mag fortschrittlich wirken, während grundlegende Probleme ungelöst bleiben.
Philosophisch knüpft das Zitat an Diskussionen über die Ambivalenz des Fortschritts an, wie sie etwa von Rousseau oder später von Nietzsche thematisiert wurden. Es hinterfragt, ob Fortschritt tatsächlich mit einer Verbesserung der menschlichen Lebensumstände einhergeht oder ob er lediglich neue Formen von Ungleichheit und Unsicherheit schafft.
Heute behält das Zitat seine Aktualität. In einer Welt, die von technologischen Innovationen und globaler Vernetzung geprägt ist, erinnert es uns daran, nicht nur den sichtbaren Fortschritt zu feiern, sondern auch die ethischen, sozialen und ökologischen Fragen zu erforschen, die oft im Schatten des Glanzes liegen. Nestroy ruft uns auf, den Fortschritt nicht als Selbstzweck zu sehen, sondern als Werkzeug für eine umfassende und nachhaltige Verbesserung der Gesellschaft.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
- Mehr?
- Alle Johann Nepomuk Nestroy Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion