Der Erzähler unterscheidet sich vom Politiker nur dadurch, daß er Zeit hat. Gemeinsam ist beiden, daß die Zeit sie hat.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus’ Zitat beleuchtet mit feiner Ironie die Beziehung zwischen Erzählern, Politikern und der Zeit.
Die Unterscheidung, dass der Erzähler Zeit hat, während der Politiker oft in hektischen Aktivitäten gefangen ist, deutet auf die unterschiedlichen Lebensrhythmen und Prioritäten dieser beiden Rollen hin. Der Erzähler kann reflektieren, analysieren und Geschichten entwickeln, während der Politiker unter ständigem Druck handelt, Entscheidungen trifft und oft kurzfristige Ziele verfolgt.
Doch Kraus fügt eine tiefere Ebene hinzu, indem er betont, dass beide letztlich der Zeit unterworfen sind. Dies erinnert daran, dass kein Mensch – unabhängig von seiner Tätigkeit oder seinem Einfluss – dem Lauf der Zeit entkommen kann. Die Aussage regt dazu an, über die Vergänglichkeit von Macht, Geschichten und sogar Idealen nachzudenken.
Kraus lädt den Leser ein, den Wert von Zeit und die Art ihrer Nutzung zu reflektieren. Sollten wir unsere Zeit auf langfristige, tiefgründige Bemühungen wie das Erzählen konzentrieren, oder sind kurzfristige, pragmatische Entscheidungen, wie sie Politiker treffen müssen, unvermeidlich? Diese Reflexion bleibt auch in der heutigen schnelllebigen Welt relevant, in der der Druck, effizient zu handeln, oft den Raum für Reflexion und Kreativität verdrängt.
Zitat Kontext
Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker des frühen 20. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfe Kritik an Gesellschaft, Politik und Medien. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, komplexe Zusammenhänge mit sprachlicher Eleganz und Ironie zu verdichten.
Im historischen Kontext lebte Kraus in einer Zeit politischer Umbrüche und medialer Veränderungen. Seine Werke waren oft eine Reaktion auf die Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit des politischen und öffentlichen Diskurses seiner Zeit. Das Zitat verweist auf die zeitlose Spannung zwischen reflektierter Kreativität und der hektischen Betriebsamkeit der Macht.
Die Bemerkung, dass die Zeit sowohl Erzähler als auch Politiker 'hat', zeigt Kraus’ philosophische Sicht auf die Vergänglichkeit und die Ohnmacht des Menschen gegenüber dem Fluss der Zeit. Diese Erkenntnis verleiht dem Zitat eine universelle Relevanz. Es fordert uns dazu auf, den Umgang mit unserer Zeit zu überdenken und bewusster zu gestalten – sei es in kreativen Tätigkeiten, politischen Engagements oder im persönlichen Leben. Kraus’ scharfsinnige Beobachtung bleibt ein Denkanstoß, der über historische und kulturelle Grenzen hinaus Bedeutung behält.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion