Da kommt ein Besucher und sagt in höchst bedauerndem Tone: »Sie sind allein?« Der Arme! wenn er wüßte, wie gut umgeben ich war – bevor er kam.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach schildert in diesem Zitat auf ironische Weise die Missverständnisse, die oft mit dem Konzept von Alleinsein verbunden sind. Sie weist darauf hin, dass Alleinsein nicht zwangsläufig Einsamkeit bedeutet, sondern oft eine geschätzte Zeit mit sich selbst sein kann. Der Besucher, der dies bedauert, erkennt nicht, dass seine Anwesenheit möglicherweise eine zuvor erfüllende und friedliche Einsamkeit unterbrochen hat.
Das Zitat regt dazu an, über die eigene Einstellung zum Alleinsein nachzudenken. Wie oft wird das Alleinsein gesellschaftlich als negativ wahrgenommen, obwohl es für viele Menschen eine Quelle von Ruhe, Reflexion und Kreativität ist? Ebner-Eschenbach erinnert daran, dass das Alleinsein ein Zustand sein kann, in dem wir uns gut aufgehoben fühlen, weil wir uns mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigen können. Ihre Worte fordern uns auf, die Qualität dieser Momente wertzuschätzen und sie nicht als Mangel, sondern als Bereicherung zu betrachten.
Die Ironie in ihrer Aussage macht deutlich, dass die Gesellschaft oft dazu neigt, soziale Interaktionen überzubewerten, ohne den Wert der Stille und des Rückzugs zu erkennen. Es ist ein Plädoyer, sich nicht von gesellschaftlichen Normen leiten zu lassen, sondern den eigenen Bedürfnissen nach Ruhe und Selbstreflexion Raum zu geben.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen Beobachtungen über Gesellschaft und menschliche Beziehungen. Dieses Zitat spiegelt ihre Fähigkeit wider, alltägliche Situationen mit Witz und Tiefgang zu kommentieren.
Im Kontext ihrer Zeit, in der soziale Verpflichtungen und zwischenmenschliche Interaktionen oft als Maßstab für persönliches Glück galten, bietet Ebner-Eschenbach eine alternative Perspektive. Sie feiert das Alleinsein als wertvollen Zustand, in dem Menschen zu sich selbst finden können. Ihre Gedanken sind auch heute relevant, da die moderne Gesellschaft, geprägt von ständiger Kommunikation und sozialen Medien, das Alleinsein oft mit Einsamkeit verwechselt. Ebner-Eschenbachs Worte erinnern daran, dass Zeit mit sich selbst nicht nur wichtig, sondern auch erfüllend sein kann, wenn sie bewusst und mit Freude gestaltet wird.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion