Da der Mensch ohne Wunder nicht leben kann, wird er sich selbst mit Wundern versorgen, die er selbst erfunden hat. Er wird an Hexerei und Zauberei glauben, auch wenn er sonst ein Ketzer, ein Atheist und ein Rebell sein mag.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat
Dostojewskis Zitat reflektiert die tiefe menschliche Sehnsucht nach dem Wunderbaren, dem Mystischen und Transzendenten. Es zeigt, dass selbst diejenigen, die sich von traditionellen Glaubenssystemen wie Religion oder Dogma abwenden, nicht vollständig auf die Suche nach dem Außergewöhnlichen verzichten können.
Der Mensch strebt nach Bedeutung, und wenn diese nicht durch etablierte Religionen oder Weltanschauungen geliefert wird, wird er alternative Formen des Glaubens oder der Mystik schaffen. Hexerei, Zauberei oder andere selbstgeschaffene Wunder sind Ausdruck derselben fundamentalen menschlichen Bedürftigkeit nach einem tieferen Sinn jenseits des rein Rationalen.
Das Zitat regt dazu an, über die Grenzen von Rationalität und Glauben nachzudenken. Es zeigt, dass der Wunsch nach Wundern und Transzendenz eine universelle menschliche Eigenschaft ist, die unabhängig von philosophischen oder religiösen Überzeugungen existiert. Dostojewski lädt dazu ein, diese Sehnsucht nicht als Schwäche, sondern als Kern unseres Menschseins zu betrachten, der unser Denken und Fühlen prägt.
Zitat Kontext
Fjodor Michailowitsch Dostojewski, einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller, setzte sich intensiv mit den existenziellen und metaphysischen Fragen des Menschseins auseinander. Dieses Zitat spiegelt die Auseinandersetzung mit dem Verlust traditioneller religiöser Werte im Russland des 19. Jahrhunderts wider, einer Zeit, die von Rationalismus, Skeptizismus und sozialen Umbrüchen geprägt war.
Dostojewski erkannte, dass der Mensch, selbst wenn er sich als Atheist oder Rebell gegen die Religion definiert, dennoch eine tiefe Sehnsucht nach dem Unerklärlichen hat. Diese Sehnsucht manifestiert sich in der Schaffung neuer Glaubenssysteme oder im Festhalten an alternativen Formen des Mystischen.
In der heutigen Welt, die oft von Wissenschaft und Technologie dominiert wird, bleibt diese Erkenntnis relevant. Menschen suchen weiterhin nach spirituellem Halt, sei es durch Esoterik, alternative Religionen oder andere Formen des Glaubens. Dostojewskis Worte erinnern daran, dass der menschliche Geist unweigerlich nach etwas sucht, das über das Sichtbare hinausgeht, und dass diese Suche ein zentraler Teil unseres Wesens ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
- Tätigkeit:
- russischer Schriftsteller
- Epoche:
- Realismus
- Mehr?
- Alle Fjodor Michailowitsch Dostojewski Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion