Beim Heiraten muß man net voreilig sein; das Geld, was man auf die Hochzeit ausgibt, ist sehr häufig die erste Einzahlung in die wechselseitige Lebensverbitterungsanstalt.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy formuliert hier mit seinem typischen satirischen Witz eine kritische Bemerkung über die Ehe. Er warnt davor, sich voreilig zu binden, da die hohen Ausgaben für eine Hochzeit oft nur der erste Schritt in eine unglückliche Beziehung seien. Die Bezeichnung der Ehe als „wechselseitige Lebensverbitterungsanstalt“ zeigt seine ironische, vielleicht auch skeptische Sicht auf die Ehe als Institution.
Diese Aussage reflektiert eine humorvolle, aber nicht unberechtigte Sichtweise auf romantische Beziehungen. Oft wird viel Energie und Geld in die Hochzeitszeremonie investiert, doch die eigentliche Herausforderung beginnt erst danach. Nestroy kritisiert damit möglicherweise die gesellschaftliche Erwartung, dass die Ehe automatisch Glück bringt – anstatt zu betonen, dass eine Beziehung Arbeit und Kompromisse erfordert.
Das Zitat regt dazu an, über die Bedeutung der Ehe nachzudenken. Ist sie wirklich ein Garant für Glück, oder sind viele Paare zu schnell bereit, sich an ein Ideal zu binden, das später schwer aufrechtzuerhalten ist? Nestroy zeigt, dass der äußere Aufwand für eine Hochzeit nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass eine gelungene Ehe viel mehr als eine einmalige Feier ist.
Kritisch könnte man fragen, ob Nestroys Sichtweise nicht zu zynisch ist. Gibt es nicht viele Ehen, die von gegenseitiger Liebe und Respekt geprägt sind? Doch sein humorvoller Ton soll nicht die Ehe an sich verdammen, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass eine zu schnelle und unüberlegte Entscheidung zu langfristigen Problemen führen kann. Seine Worte laden dazu ein, das Ideal der Ehe mit einer gesunden Portion Realismus zu betrachten.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Satiriker. Seine Stücke zeichnen sich durch scharfsinnige Gesellschaftskritik und humorvolle, oft zynische Beobachtungen des menschlichen Zusammenlebens aus.
Das Zitat steht im Kontext seiner satirischen Werke, die sich oft mit gesellschaftlichen Konventionen auseinandersetzen. Die Ehe war zu seiner Zeit eine feste Institution, doch Nestroy hinterfragte humorvoll ihre romantisierten Vorstellungen und wies auf ihre potenziellen Fallstricke hin.
Historisch betrachtet, lebte Nestroy in einer Gesellschaft, in der Ehen oft aus wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Gründen geschlossen wurden. Seine Bemerkung könnte als Kritik an der fehlenden Reflexion vieler Ehepaare verstanden werden, die sich aus oberflächlichen oder äußeren Motiven binden, anstatt die langfristigen Konsequenzen zu bedenken.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In Zeiten, in denen Hochzeiten oft mit großem finanziellem Aufwand verbunden sind und die Scheidungsraten hoch sind, erinnert Nestroy daran, dass die Entscheidung zur Ehe wohlüberlegt sein sollte. Seine Worte sind ein humorvoller, aber zugleich nachdenklich stimmender Kommentar zu einem Thema, das zeitlos bleibt – die Herausforderungen und Erwartungen einer lebenslangen Partnerschaft.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion