Weniger Urteilsvermögen als Verstand ist mehr Segel als Ballast. Dennoch muss man zugeben, dass der Verstand dem Verstand einen Vorteil verschafft und ihn sehr empfiehlt.
- William Penn

Klugwort Reflexion zum Zitat
William Penn nutzt in diesem Zitat eine Metapher aus der Schifffahrt, um die Beziehung zwischen Urteilsvermögen und Verstand zu beschreiben. Er vergleicht Verstand ohne angemessenes Urteilsvermögen mit einem Schiff, das mehr Segel als Ballast hat – es mag sich schnell bewegen, doch ohne Stabilität kann es leicht außer Kontrolle geraten.
Diese Unterscheidung ist von großer Bedeutung. Verstand im Sinne von Intelligenz oder Wissen allein reicht nicht aus, um gute Entscheidungen zu treffen. Ohne Urteilsvermögen – also die Fähigkeit, Wissen richtig zu bewerten und weise anzuwenden – kann Verstand sogar gefährlich sein. Ein Mensch mit großem Wissen, aber ohne kritisches Denken, kann in falsche Richtungen gelenkt werden.
Penn betont jedoch auch die positive Seite des Verstandes: Er verschafft sich selbst Vorteile und wird als wertvolle Eigenschaft anerkannt. In einer Welt, in der Intelligenz oft hoch geschätzt wird, kann sie Türen öffnen – doch ohne die richtige Anwendung und die Fähigkeit zur Reflexion bleibt sie ein unvollkommenes Werkzeug.
Kritisch könnte man fragen, ob Wissen und Urteilsvermögen wirklich so leicht voneinander zu trennen sind. Entwickelt sich nicht Urteilsvermögen gerade durch Erfahrung und die Anwendung des Verstandes? Doch Penns Aussage bleibt eine wertvolle Mahnung: Reines Wissen ohne kluge Anwendung kann genauso problematisch sein wie ein Schiff mit zu viel Segel und zu wenig Stabilität.
Zitat Kontext
William Penn (1644–1718) war ein englischer Quäker, Philosoph und Gründer der Kolonie Pennsylvania. Er war ein Vordenker in Fragen von Religionsfreiheit, Toleranz und politischer Weisheit.
Das Zitat reflektiert seine Überzeugung, dass nicht nur Wissen, sondern auch die Fähigkeit, es richtig zu nutzen, entscheidend ist. Diese Idee war besonders im 17. Jahrhundert relevant, einer Zeit, in der Bildung und Wissenschaft große Fortschritte machten, aber auch viele Diskussionen darüber stattfanden, wie Wissen angewandt werden sollte.
Historisch gesehen, spiegelt das Zitat eine der zentralen Debatten der Aufklärung wider: Ist Wissen an sich wertvoll, oder kommt es auf die Weise an, wie es genutzt wird? Die Aufklärung förderte zwar Rationalität und wissenschaftlichen Fortschritt, doch Penn erkannte, dass Wissen ohne Weisheit auch zu Fehlentwicklungen führen kann.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Zeit der Informationsflut ist es wichtiger denn je, nicht nur klug, sondern auch weise zu sein. Die Fähigkeit, Wissen kritisch zu hinterfragen und sinnvoll anzuwenden, entscheidet darüber, ob Intelligenz ein echter Vorteil ist – oder nur eine trügerische Illusion von Kontrolle. Penn erinnert uns daran, dass nicht allein der Verstand, sondern seine weise Nutzung das wahre Maß der Klugheit ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Penn
- Tätigkeit:
- englischer Quäker, Kolonialadministrator und Schriftsteller
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion