Von den Stimmungen der Menschen gilt wie von den Gebäuden, daß sie zwei Ansichten haben: eine angenehme und eine unangenehme.
- François de La Rochefoucauld

Klugwort Reflexion zum Zitat
François de La Rochefoucauld verwendet in diesem Zitat die Metapher von Gebäuden, um die Dualität menschlicher Stimmungen und deren Wahrnehmung zu illustrieren.
So wie Gebäude von verschiedenen Seiten betrachtet unterschiedliche Eindrücke hinterlassen können, zeigen auch menschliche Stimmungen und Emotionen je nach Perspektive entweder ihre angenehme oder unangenehme Seite. Diese Aussage erinnert daran, dass menschliche Emotionen komplex und von äußeren Umständen oder inneren Zuständen geprägt sind. Sie lädt dazu ein, sich bewusst mit der eigenen Wahrnehmung auseinanderzusetzen: Welche Aspekte anderer Menschen nehmen wir wahr, und wie beeinflusst unsere Perspektive unser Urteil? Das Zitat fordert dazu auf, nicht nur die 'schöne Fassade', sondern auch die weniger ansprechenden Seiten des menschlichen Wesens zu akzeptieren.
Diese Reflexion ermutigt, die eigenen Urteile über andere und sich selbst differenzierter zu betrachten. Es inspiriert dazu, Mitgefühl und Verständnis für die menschliche Natur zu entwickeln, die sowohl angenehme als auch schwierige Seiten umfasst. La Rochefoucaulds Worte laden dazu ein, die Vielschichtigkeit des Menschseins anzuerkennen und zwischen oberflächlicher Wahrnehmung und tieferem Verständnis zu unterscheiden.
Zitat Kontext
François de La Rochefoucauld, ein französischer Moralist und Schriftsteller des 17. Jahrhunderts, war bekannt für seine prägnanten und oft ironischen Maximen über die menschliche Natur. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, komplexe psychologische und soziale Zusammenhänge in einfachen, aber tiefgründigen Bildern auszudrücken.
Im historischen Kontext schrieb La Rochefoucauld in einer Zeit, in der die höfische Gesellschaft Frankreichs stark von oberflächlichen Erscheinungen und Intrigen geprägt war. Seine Maximen waren eine Reaktion auf diese Oberflächlichkeit und zielten darauf ab, die verborgenen Dynamiken menschlicher Beziehungen aufzudecken. Die Metapher der Gebäude verweist auf die gesellschaftliche Inszenierung, bei der sowohl die äußere Erscheinung als auch die weniger offensichtlichen, unangenehmeren Aspekte eine Rolle spielen.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell, da es zeitlose Wahrheiten über die menschliche Natur und die Art und Weise, wie wir einander wahrnehmen, anspricht. Es erinnert daran, dass Menschen – wie Gebäude – nicht auf den ersten Blick zu beurteilen sind. La Rochefoucaulds Worte laden dazu ein, Geduld und Offenheit zu kultivieren, um die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrungen und Gefühle zu erkennen und zu schätzen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- François de La Rochefoucauld
- Tätigkeit:
- französischer Adliger, Soldat und Schriftsteller
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion