Um ein guter Gesellschafter zu sein, ist es sehr gut, etwas zu treiben, was die Gesellschaft selbst interessiert. Daher ist ein Jurist, Kaufmann unter Bürgerlichen an und für sich ein besserer als ein Philosoph oder gar Dichter.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Paul reflektiert hier über die Rolle eines ‚guten Gesellschafters‘ und hebt hervor, dass praktische Berufe, die unmittelbar mit den Interessen der Gesellschaft verbunden sind, in sozialen Kontexten oft bevorzugt werden.
Ein Jurist oder Kaufmann, der in der bürgerlichen Welt agiert, kann leichter Anknüpfungspunkte für Gespräche und gemeinschaftliches Interesse bieten als ein Philosoph oder Dichter, deren Themen abstrakter oder persönlicher Natur sind. Diese Beobachtung zeigt, wie stark die Relevanz eines Berufs oder einer Tätigkeit von den gesellschaftlichen Bedürfnissen und dem kulturellen Umfeld abhängt.
Das Zitat regt dazu an, über den Wert von praktischer und geistiger Arbeit in der Gesellschaft nachzudenken. Während Philosophie und Dichtung oft als weniger ‚nützlich‘ wahrgenommen werden, stellen sie dennoch wesentliche Beiträge zur Reflexion und Weiterentwicklung der Gesellschaft dar. Jean Pauls Worte erinnern uns daran, dass soziale Anerkennung nicht unbedingt ein Maßstab für den Wert einer Tätigkeit ist, sondern vielmehr ein Spiegel der vorherrschenden gesellschaftlichen Prioritäten.
Zitat Kontext
Jean Paul lebte und schrieb in einer Zeit, die durch den Aufstieg des Bürgertums und die zunehmende Bedeutung von praktischen Berufen geprägt war. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert lag der Fokus vieler Gesellschaften auf wirtschaftlicher Stabilität und rechtlichen Strukturen, wodurch Kaufleute und Juristen als zentrale Stützen des bürgerlichen Lebens galten.
Philosophen und Dichter, obwohl sie wichtige kulturelle und geistige Impulse gaben, wurden oft als weniger ‚praktisch‘ angesehen, da ihre Beiträge nicht unmittelbar greifbar waren. Jean Paul greift diese Spannung zwischen Praxis und Theorie auf und macht sie zum Gegenstand einer kritischen Reflexion.
Heute bleibt das Zitat relevant, da es die Frage aufwirft, welche Berufe und Tätigkeiten in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten geschätzt werden. In einer Zeit, in der technologische und wirtschaftliche Kompetenzen stark im Vordergrund stehen, erinnert uns Jean Paul daran, auch die Rolle von Kunst und Philosophie zu würdigen, die zur kulturellen und ethischen Entwicklung der Gesellschaft beitragen. Seine Worte laden uns ein, den Begriff des ‚guten Gesellschafters‘ neu zu definieren, um sowohl praktische als auch geistige Beiträge anzuerkennen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion