Schillertag Dem Tage Heil, an dem in allen Weisen Wir unsern Schiller jubelvoll lobpreisen! Noch gestern hätte keiner ihm gehuldigt, Der sich vorher bei Goethe nicht entschuldigt.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach thematisiert in diesem kurzen Gedicht die rivalisierende Verehrung zweier der größten deutschen Dichter, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Ihre Worte reflektieren humorvoll die Dynamik zwischen den Anhängern der beiden Dichter und deuten darauf hin, dass die Begeisterung für Schiller oft durch den enormen Einfluss Goethes überschattet wurde.

Dieses Gedicht bietet Anlass, über die Art und Weise nachzudenken, wie Kulturen und Gesellschaften ihre großen Persönlichkeiten feiern. Es zeigt, wie Rivalitäten zwischen literarischen Figuren entstehen können, obwohl beide in ihren jeweiligen Werken herausragende Beiträge geleistet haben. Ebner-Eschenbach betont mit einer feinen ironischen Note, dass die Verehrung von Schiller oft von der dominierenden Figur Goethes beeinflusst wurde, was auch auf die Hierarchien und Prioritäten der literarischen Welt hinweist.

Das Gedicht erinnert uns daran, die Vielfalt und den individuellen Beitrag jeder Persönlichkeit zu schätzen, ohne diese in Konkurrenz zueinander zu setzen. Es fordert auf, die Einzigartigkeit jedes großen Denkers zu würdigen und deren Bedeutung im kulturellen Kontext anzuerkennen, unabhängig von Rangfolgen oder Vergleichsdynamiken.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, verfasste dieses Gedicht in einer Zeit, in der Schiller und Goethe als zentrale Figuren der deutschen Literatur gefeiert wurden. Die Weimarer Klassik, die durch diese beiden Dichter geprägt wurde, hatte einen enormen Einfluss auf die literarische und kulturelle Entwicklung Europas.

Der historische Kontext deutet darauf hin, dass Schiller oft im Schatten Goethes stand, obwohl beide auf ihre Weise unvergleichlich waren. Ebner-Eschenbach bringt dies mit subtiler Ironie zum Ausdruck und spiegelt damit auch die literarischen Diskurse ihrer Zeit wider.

Heute kann dieses Gedicht als humorvolle Erinnerung daran gelesen werden, wie literarische Größen oft durch den Zeitgeist und kulturelle Präferenzen bewertet werden. Es lädt dazu ein, Schiller und Goethe nicht als Gegensätze, sondern als komplementäre Kräfte zu betrachten, die beide auf ihre Weise zur deutschen Literatur und Kultur beigetragen haben.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion