Recht ist, was gültig ist. Und so werden alle gültigen Gesetze notwendig für gerecht gehalten, ohne dass man sie prüft, da sie gerecht sind.

- Blaise Pascal

Blaise Pascal

Klugwort Reflexion zum Zitat

Blaise Pascals Zitat legt eine kritische Betrachtung des menschlichen Umgangs mit Gesetzen und Gerechtigkeit nahe. Es deckt die Tendenz auf, Gesetze allein aufgrund ihrer Gültigkeit als gerecht anzusehen, ohne sie kritisch zu hinterfragen.

Diese Reflexion zeigt, wie der Mensch oft das bestehende System akzeptiert, ohne dessen ethische Grundlagen zu überprüfen. Gültigkeit wird mit Gerechtigkeit gleichgesetzt, was zu einem blinden Vertrauen in bestehende Institutionen führt. Pascal weist damit auf eine Schwäche hin: die fehlende Bereitschaft, sich mit den moralischen und ethischen Dimensionen von Recht auseinanderzusetzen. Das Zitat fordert dazu auf, sich zu fragen: Sind alle Gesetze, nur weil sie gültig sind, auch moralisch richtig?

Diese Überlegung hat auch in der heutigen Zeit Relevanz. In einer Welt, die durch komplexe rechtliche und politische Systeme geprägt ist, werden Gesetze oft unhinterfragt akzeptiert. Doch die Geschichte zeigt zahlreiche Beispiele für Gesetze, die zwar gültig, aber zutiefst ungerecht waren. Pascals Worte ermutigen dazu, die bestehende Ordnung kritisch zu betrachten und die Grundlagen von Recht und Gerechtigkeit stets neu zu bewerten.

Schließlich mahnt das Zitat, dass wahre Gerechtigkeit nicht aus bloßer Gültigkeit entsteht. Es ist ein Aufruf, moralische Verantwortung zu übernehmen und nicht blind der Autorität von Gesetzen zu folgen. Diese Einsicht kann sowohl Individuen als auch Gesellschaften dazu inspirieren, ein gerechteres und reflektierteres System zu schaffen.

Zitat Kontext

Blaise Pascal, ein französischer Philosoph, Mathematiker und Theologe des 17. Jahrhunderts, war bekannt für seine tiefgründigen Reflexionen über die menschliche Natur, Gesellschaft und Religion. Dieses Zitat stammt aus seinen „Pensées“, einem Werk, das sich mit den Widersprüchen des menschlichen Daseins auseinandersetzt.

Zur Zeit Pascals war Europa geprägt von tiefgreifenden politischen und sozialen Umbrüchen, darunter die Etablierung absolutistischer Herrschaftsformen und der Einfluss der katholischen Kirche. In diesem Kontext war die Gültigkeit von Gesetzen oft an die Macht der Herrschenden gebunden, unabhängig davon, ob diese Gesetze als moralisch gerecht angesehen werden konnten. Pascals Aussage spiegelt seine Skepsis gegenüber Autorität und den menschlichen Institutionen wider.

Philosophisch gesehen weist das Zitat auf die Spannung zwischen positivem Recht (vom Staat gesetztes Recht) und natürlichem Recht (universelle moralische Prinzipien) hin. Pascal fordert den Leser auf, nicht nur die Gültigkeit, sondern auch die Gerechtigkeit von Gesetzen zu hinterfragen. Diese Idee knüpft an die philosophischen Diskurse über Recht und Gerechtigkeit an, die auch von Denkern wie Hobbes, Locke und Rousseau aufgegriffen wurden.

In der modernen Welt hat Pascals Gedanke nichts von seiner Bedeutung verloren. Fragen nach der Legitimität von Gesetzen und deren ethischer Grundlage sind nach wie vor zentral für politische und gesellschaftliche Diskussionen. Sein Zitat erinnert daran, dass wahre Gerechtigkeit nicht allein in der Einhaltung von Gesetzen liegt, sondern in der kritischen Auseinandersetzung mit deren moralischem Gehalt.

Daten zum Zitat

Autor:
Blaise Pascal
Tätigkeit:
franz. Mathematiker, Physiker, Erfinder, Schriftsteller und Philosoph
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion