Noch nie hat die Vernunft allein Gut und Böse zu erklären vermocht, oder auch nur auseinanderzuhalten und die Wissenschaft hat immer nur rohe, plumpe Antworten gegeben.

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewski äußert in diesem Zitat eine tiefe Skepsis gegenüber der Fähigkeit von Vernunft und Wissenschaft, die komplexen moralischen Fragen von Gut und Böse zu erklären. Er argumentiert, dass diese Konzepte nicht allein durch rationale oder wissenschaftliche Mittel definiert werden können, da sie tief in den emotionalen, spirituellen und kulturellen Schichten des Menschseins verwurzelt sind. Die Wissenschaft kann zwar Erklärungen liefern, bleibt dabei aber oft oberflächlich und unzulänglich, wenn es um die tiefere moralische Bedeutung geht.

Das Zitat regt dazu an, über die Grenzen der Rationalität und die Rolle von Intuition, Glauben und kulturellen Werten bei der Definition von Moral nachzudenken. Dostojewski zeigt, dass Gut und Böse keine rein objektiven Kategorien sind, sondern durch die subjektive menschliche Erfahrung geprägt werden. Seine Worte laden dazu ein, Moral nicht nur intellektuell zu betrachten, sondern auch emotional und spirituell zu durchdringen.

Seine Beobachtung erinnert daran, dass Wissenschaft und Vernunft wichtig, aber nicht allumfassend sind. Sie sind Werkzeuge, die ergänzt werden müssen durch Mitgefühl, ethische Reflexion und eine tiefere Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Lebens.

Zitat Kontext

Fjodor Michailowitsch Dostojewski, ein herausragender russischer Schriftsteller, setzte sich in seinen Werken häufig mit den moralischen, religiösen und psychologischen Dimensionen des Menschseins auseinander. Dieses Zitat reflektiert seinen Widerstand gegen die reduktionistische Sichtweise des Positivismus, der im 19. Jahrhundert populär war und die Wissenschaft als alleinige Quelle von Wahrheit und Erkenntnis betrachtete.

In einer Epoche, die von technischen und wissenschaftlichen Fortschritten geprägt war, betonte Dostojewski die Notwendigkeit, die spirituelle und emotionale Seite des Menschseins nicht zu vernachlässigen. Für ihn war die menschliche Existenz zu komplex, um allein durch Rationalität oder empirische Wissenschaft verstanden zu werden.

Auch heute ist dieses Zitat relevant, da es die Grenzen moderner Rationalität und Wissenschaft in Fragen der Ethik und Moral betont. Dostojewskis Worte sind eine Einladung, die Vielschichtigkeit menschlicher Erfahrungen und Werte anzuerkennen und Wissenschaft und Vernunft durch Mitgefühl, Weisheit und spirituelles Verständnis zu ergänzen.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion