Ja die Liebe fragt nicht nach Georgi und Michaeli; Luftschlösser sind ihre liebsten Häuser, ihr Grundbuch ist das Herz, der Zins wird nur mit Küssen bezahlt.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem poetischen Zitat die romantische und idealistische Natur der Liebe. Sie lässt sich nicht durch pragmatische oder materielle Maßstäbe wie Termine, Fristen oder Besitz beschränken, wie etwa die Quartalszahlungszeiten von Georgi und Michaeli in agrarischen Kalendern. Stattdessen erschafft die Liebe „Luftschlösser“ – imaginäre, ideale Welten, in denen Emotionen und Fantasien regieren. Ihr Fundament ist das Herz, und ihre einzige Währung sind Küsse – Symbole für Zuneigung und Intimität.

Das Zitat feiert die unberechenbare und grenzenlose Natur der Liebe, stellt aber auch die Frage, wie lange sich diese romantische Vorstellung in einer realistischen Welt halten kann. Es verweist darauf, dass Liebe nicht immer rational oder geordnet ist, sondern oft von Idealen und Sehnsüchten geprägt wird. Gleichzeitig zeigt es, dass wahre Liebe unabhängig von materiellen Belangen existiert und eine eigene Ordnung hat, die auf Gefühlen und gegenseitigem Geben basiert.

Nestroys Worte laden dazu ein, über die Balance zwischen romantischen Idealen und der Realität nachzudenken. Sie erinnern daran, dass Liebe in ihrer reinsten Form frei von äußeren Zwängen ist und dass sie ihre Schönheit gerade aus der Fähigkeit schöpft, träumerisch und ungebunden zu sein. Dieses Zitat inspiriert dazu, den Wert der Liebe nicht an materiellen oder zeitlichen Aspekten zu messen, sondern an der Tiefe der Verbindung und den kleinen Gesten des Herzens.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy, ein bedeutender österreichischer Dramatiker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seinen scharfsinnigen Humor und seine Fähigkeit, menschliche Schwächen und romantische Ideale auf poetische Weise darzustellen. In einer Zeit, in der Liebe oft durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge eingeschränkt war, hob Nestroy die Idealvorstellungen der Liebe hervor und stellte sie den pragmatischen Anforderungen des Alltags gegenüber.

Das Zitat spielt auf die agrarischen Zahlungstermine Georgi (Ende April) und Michaeli (Ende September) an, die in der damaligen Gesellschaft als festgelegte Zeitpunkte für wirtschaftliche Verpflichtungen galten. Durch diesen Kontrast zeigt Nestroy, dass die Liebe sich nicht in solche strikten, rationalen Rahmen einfügen lässt. Es ist ein romantisches Plädoyer für die Freiheit und die emotionale Kraft der Liebe, die über materielle Sorgen hinausgeht.

Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es die zeitlose Sehnsucht nach einer Liebe beschreibt, die sich über äußere Beschränkungen hinwegsetzt. Nestroys Worte erinnern uns daran, die idealistische Seite der Liebe zu bewahren, auch wenn sie in einer zunehmend pragmatischen Welt oft in den Hintergrund tritt. Seine Botschaft ist eine Einladung, sich von den Zwängen des Alltags zu lösen und sich auf das Wesentliche der Liebe zu besinnen: Herz und Zuneigung.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion