Geistliche sind daran interessiert, die Völker in Unwissenheit zu erhalten, man würde sonst, da das Evangelium einfach ist, ihnen sagen: Wir wissen das alles so gut wie ihr.
- Montesquieu

Klugwort Reflexion zum Zitat
Montesquieu formuliert in diesem Zitat eine scharfe Kritik an der Rolle der Geistlichkeit in der Gesellschaft. Er unterstellt religiösen Institutionen, dass sie bewusst Bildung und Wissen zurückhalten, um ihre Autorität zu bewahren. Sein Argument basiert auf der Annahme, dass das Evangelium in seiner Essenz einfach ist und von jedem verstanden werden könnte – wenn die Menschen nicht systematisch in Unwissenheit gehalten würden.
Diese Kritik ist ein zentrales Thema der Aufklärung, in der Montesquieu eine führende Stimme war. Die Aufklärer argumentierten, dass Wissen und Bildung die einzigen Mittel seien, um die Menschen von der Bevormundung durch Kirche und Staat zu befreien. In einer Gesellschaft, in der religiöse Autoritäten absolute Wahrheiten beanspruchten, stellte Montesquieu die Machtfrage: Was passiert, wenn das Volk erkennt, dass es keine Vermittler zwischen sich und der Wahrheit braucht?
Das Zitat regt dazu an, über die Rolle von Wissen und Macht nachzudenken. Wie oft wird Bildung als Mittel der Kontrolle eingesetzt? Gibt es heute noch Institutionen, die darauf angewiesen sind, dass Menschen bestimmte Informationen nicht hinterfragen? Montesquieu fordert uns auf, skeptisch gegenüber Autoritäten zu sein und das eigene Denken nicht aus Bequemlichkeit an andere zu delegieren.
Kritisch könnte man fragen, ob Religion tatsächlich immer ein Instrument der Unwissenheit ist. Gibt es nicht auch religiöse Traditionen, die Bildung und kritisches Denken fördern? Montesquieus Zitat ist ein Kind seiner Zeit – einer Epoche, in der die Kirche oft als Hindernis für Fortschritt galt. Doch sein Grundgedanke bleibt aktuell: Wissen ist Macht, und wer die Kontrolle über Wissen hat, hat auch die Kontrolle über die Gesellschaft.
Zitat Kontext
Charles de Montesquieu (1689–1755) war ein französischer Philosoph und Aufklärer, bekannt für seine Theorien über Gewaltenteilung und politische Freiheit. Sein Werk *Vom Geist der Gesetze* hatte einen enormen Einfluss auf moderne Demokratien.
Das Zitat steht im Kontext seiner allgemeinen Kritik an Machtstrukturen, insbesondere an der Verflechtung von Kirche und Staat. Wie viele Aufklärer sah er in der Religion oft weniger ein Mittel zur Wahrheitsfindung als ein Instrument zur Machterhaltung.
Historisch betrachtet, lebte Montesquieu in einer Zeit, in der die katholische Kirche eine enorme politische und gesellschaftliche Macht hatte. Bildung war oft ein Privileg weniger, und religiöse Institutionen bestimmten, was gelehrt und gedacht werden durfte.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In vielen Teilen der Welt ist der Zugang zu Bildung immer noch eine Frage der Machtverteilung. Montesquieus Worte erinnern daran, dass kritisches Denken eine wesentliche Voraussetzung für Freiheit ist – und dass Bildung nicht von Institutionen kontrolliert werden sollte, die eigene Interessen verfolgen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Montesquieu
- Tätigkeit:
- französischer Philosoph, Politiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion