Es taugt nun freilich nichts, Wenn Fürsten Geier unter Äsern sind. Doch sind sie Äser unter Geiern, taugts Noch zehnmal weniger.
- Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat
Gotthold Ephraim Lessing nutzt in diesem Zitat eine kraftvolle Metapher, um die Rollen und Verantwortlichkeiten von Herrschern zu reflektieren. ‚Geier‘ symbolisieren dabei habgierige und ausbeuterische Herrscher, während ‚Äser‘ – das heißt Beutetiere – für Schwäche und Passivität stehen. Lessing kritisiert sowohl Tyrannei als auch Unfähigkeit und zeigt, dass ein Fürst weder unterdrückend noch wehrlos sein sollte. Stattdessen plädiert er für eine kluge, ausgewogene und verantwortungsbewusste Führung.
Die Reflexion über dieses Zitat zeigt, wie Lessing die moralische und praktische Qualität der Herrschaft in den Mittelpunkt stellt. Ein Herrscher, der wie ein ‚Geier‘ handelt, schadet seinem Volk, indem er es ausnutzt und unterdrückt. Doch ein Herrscher, der wie ein ‚Äser‘ schwach und wehrlos gegenüber mächtigeren Akteuren ist, gefährdet das Wohl seines Staates möglicherweise noch mehr. Dieses Spannungsfeld zwischen Macht und Moral ist ein zentraler Gedanke in Lessings Werk.
Das Zitat regt dazu an, über die Qualitäten nachzudenken, die Führungspersönlichkeiten auszeichnen sollten. Wie kann Macht verantwortungsvoll ausgeübt werden, ohne zu unterdrücken? Und wie lässt sich Stärke zeigen, ohne auf Habgier oder Tyrannei zurückzugreifen? Lessing erinnert daran, dass wahre Führung darin besteht, das Gleichgewicht zwischen Stärke und Mitgefühl, Autorität und Gerechtigkeit zu finden.
In einer modernen Welt, in der Führung oft entweder durch Machtmissbrauch oder fehlende Durchsetzungskraft in die Kritik gerät, bleibt Lessings Gedanke aktuell. Er fordert eine Art der Führung, die weder destruktiv noch defensiv ist, sondern das Wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund stellt. Sein Zitat ist ein zeitloser Appell an Verantwortlichkeit, Mut und ethisches Handeln in Machtpositionen.
Zitat Kontext
Gotthold Ephraim Lessing, ein bedeutender Vertreter der Aufklärung, war bekannt für seine scharfsinnige Kritik an Machtmissbrauch und moralischem Versagen. Dieses Zitat entstammt seiner Beschäftigung mit der Frage, wie Führung und Verantwortung in einer gerechten Gesellschaft aussehen sollten.
Im 18. Jahrhundert, einer Zeit politischer Umbrüche und absolutistischer Herrschaft, stellte Lessing die Legitimität und das Verhalten von Herrschern infrage. Seine Werke plädierten für Vernunft, Gerechtigkeit und Menschlichkeit als grundlegende Prinzipien der Führung.
Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es die grundlegenden Fragen nach Macht, Verantwortung und der moralischen Qualität von Führung aufwirft. Lessings Worte erinnern daran, dass wahre Stärke nicht in Unterdrückung oder Schwäche liegt, sondern in der Fähigkeit, Macht mit Weisheit und Integrität auszuüben.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Gotthold Ephraim Lessing
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
- Epoche:
- Aufklärung
- Mehr?
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- Emotion:
- Keine Emotion