Es reicht schon, Menschen, die durch eigene Torheit zu Fall gekommen sind, nicht wieder aufzuhelfen. Ihnen aber noch zuzusetzen, wenn sie am Boden liegen, oder sie im Fallen noch zu stoßen, ist einfach unmenschlich.
- Cicero

Klugwort Reflexion zum Zitat
Cicero appelliert in diesem Zitat an Mitgefühl und Fairness im Umgang mit anderen.
Er unterscheidet zwischen den Folgen eigener Fehler und absichtlicher Grausamkeit. Es ist eine Sache, jemanden die Konsequenzen seiner eigenen Handlungen tragen zu lassen – doch eine andere, zusätzlich nachzutreten oder Schadenfreude zu empfinden, wenn jemand bereits leidet. Diese Haltung beschreibt eine grundlegende menschliche Tugend: Großzügigkeit im Umgang mit dem Scheitern anderer.
Dieses Prinzip findet sich in vielen moralischen und ethischen Systemen wieder. In einer Gesellschaft, in der oft schnell über Fehler geurteilt wird – sei es in den Medien oder im persönlichen Umfeld –, bleibt Ciceros Gedanke hochaktuell. Sein Zitat fordert uns auf, darüber nachzudenken, wie wir mit Menschen umgehen, die scheitern, und ob wir ihnen eher helfen oder sie verurteilen.
Es erinnert uns daran, dass wahre Größe sich nicht darin zeigt, andere zu demütigen, sondern darin, Menschlichkeit zu zeigen – selbst gegenüber denen, die Fehler gemacht haben.
Zitat Kontext
Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.) war ein römischer Politiker, Philosoph und Redner, der für seine ethischen Überlegungen und seine Verteidigung republikanischer Werte bekannt war.
Dieses Zitat spiegelt seine Vorstellung von Gerechtigkeit und menschlichem Anstand wider. In der römischen Gesellschaft, die stark von Ehrgeiz und Konkurrenz geprägt war, war das Nachtreten gegen Gefallene eine gängige Praxis. Cicero hingegen plädierte für Mäßigung und Mitgefühl.
Seine Worte haben universelle Bedeutung. Auch heute gibt es oft eine Tendenz, Menschen, die gescheitert sind, nicht nur ihrem Schicksal zu überlassen, sondern sie noch weiter zu diskreditieren. Sei es in Politik, Wirtschaft oder dem Privatleben – die Art, wie wir mit Fehlern anderer umgehen, sagt viel über den ethischen Zustand einer Gesellschaft aus.
Cicero erinnert daran, dass menschliche Würde auch darin besteht, anderen mit Respekt zu begegnen, selbst wenn sie gefallen sind. Sein Zitat bleibt eine zeitlose Mahnung zur Fairness und Barmherzigkeit im Umgang mit dem Scheitern anderer.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Cicero
- Tätigkeit:
- römischer Staatsmann, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph
- Epoche:
- Klassische Antike
- Mehr?
- Alle Cicero Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion