Es kommt vor, daß Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der entsetzliche Fall ein, daß einer Maus zugemutet wird, einen Berg zu gebären.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach spielt in diesem Zitat auf eine bekannte Redewendung an und erweitert sie, um zwei entgegengesetzte Szenarien zu beschreiben: Erwartungen, die enttäuscht werden, und solche, die unmöglich zu erfüllen sind. Das Zitat ist eine kluge Reflexion über die oft unangemessenen oder unverhältnismäßigen Erwartungen, die an Menschen und Situationen gestellt werden.

Die erste Hälfte, „dass Berge Mäuse gebären“, beschreibt das Gefühl der Enttäuschung, wenn große Ankündigungen oder Erwartungen minimale Ergebnisse liefern. Dies ist ein vertrautes Phänomen, das auf überhöhte Hoffnungen oder leere Versprechungen hinweist. Die zweite Hälfte, „dass einer Maus zugemutet wird, einen Berg zu gebären“, beschreibt die Überforderung, wenn jemand mit unzumutbaren oder unrealistischen Anforderungen konfrontiert wird. Dieses Szenario weist auf Ungerechtigkeit und das Fehlen von Verständnis für die Grenzen und Fähigkeiten eines Einzelnen hin.

Dieses Zitat lädt dazu ein, über unsere eigenen Erwartungen – sowohl an andere als auch an uns selbst – nachzudenken. Wie oft erwarten wir Unmögliches, oder fühlen uns enttäuscht, wenn das Ergebnis nicht unseren Vorstellungen entspricht? Ebner-Eschenbach erinnert daran, dass Verständnis, Realismus und Empathie entscheidend sind, um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden.

In der heutigen Welt, die oft von überhöhten Erwartungen geprägt ist, bleibt diese Botschaft relevant. Das Zitat fordert dazu auf, sowohl die Grenzen der eigenen Ansprüche zu erkennen als auch darauf zu achten, dass wir andere nicht überfordern. Es inspiriert zu einem ausgewogeneren Umgang mit Erwartungen und Ergebnissen – ein Prinzip, das sowohl für persönliche Beziehungen als auch für gesellschaftliche Strukturen gilt.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine bedeutende österreichische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen Beobachtungen über menschliche Schwächen und gesellschaftliche Missstände. Dieses Zitat zeigt ihre Fähigkeit, komplexe Themen in prägnante und oft ironische Aussagen zu verpacken.

Im historischen Kontext reflektiert das Zitat die sozialen und persönlichen Erwartungen ihrer Zeit, in der Rollen und Pflichten oft rigide und unnachgiebig waren. Es kritisiert die Neigung, unrealistische Anforderungen an andere zu stellen, sei es durch gesellschaftliche Normen oder individuelle Ansprüche.

Auch heute bleibt die Aussage aktuell. Sie fordert uns auf, unsere Erwartungen kritisch zu hinterfragen, um Enttäuschungen zu minimieren und Überforderung zu vermeiden. Ebner-Eschenbachs Zitat ist ein zeitloser Appell für mehr Verständnis, Realismus und Empathie im Umgang mit uns selbst und anderen.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion