Eine umfassende Bildung ist eine gut dotierte Apotheke; aber es besteht keine Sicherheit, daß nicht für Schnupfen Zyankali gereicht wird.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus nutzt in diesem Zitat die Metapher der Apotheke, um die Ambivalenz von Bildung und Wissen zu verdeutlichen. Eine umfassende Bildung bietet zahlreiche Möglichkeiten – ähnlich wie eine Apotheke eine Vielzahl von Heilmitteln bereithält. Doch diese Vielfalt birgt auch Risiken: Wie in einer Apotheke die falsche Wahl fatale Folgen haben kann, so kann auch Wissen, das falsch angewendet oder missbraucht wird, Schaden anrichten.
Das Zitat regt dazu an, über die Verantwortung nachzudenken, die mit Bildung und Wissen einhergeht. Bildung allein garantiert nicht, dass sie zum Wohle der Gesellschaft eingesetzt wird. Vielmehr erfordert sie ethisches Bewusstsein und kritisches Denken, um sicherzustellen, dass Wissen nicht schädlich verwendet wird. Kraus weist darauf hin, dass Bildung ohne eine moralische Grundlage gefährlich sein kann, da sie ebenso leicht zur Zerstörung wie zur Heilung beitragen kann.
Seine Worte erinnern daran, dass Wissen kein Selbstzweck ist, sondern immer in den Dienst des Guten gestellt werden sollte. Sie fordern dazu auf, sich nicht nur um die Erweiterung des eigenen Wissens zu bemühen, sondern auch um die Fähigkeit, dieses Wissen verantwortungsbewusst einzusetzen. In einer Welt, die oft von Informationsflut und fehlender Reflexion geprägt ist, bleibt Kraus' Botschaft von großer Relevanz: Bildung braucht Werte, um wirklich sinnvoll zu sein.
Zitat Kontext
Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker des frühen 20. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfe Kritik an den Missständen seiner Zeit. Dieses Zitat spiegelt seine Skepsis gegenüber einer Bildung wider, die zwar umfangreich ist, aber ohne ethische Orientierung und kritisches Denken bleibt.
Im historischen Kontext lebte Kraus in einer Zeit großer gesellschaftlicher und technologischer Umbrüche, in der Bildung immer zugänglicher wurde. Doch gleichzeitig wuchs auch die Gefahr, dass Wissen für destruktive Zwecke missbraucht wird, etwa in der Kriegsführung oder Propaganda. Kraus’ Vergleich der Bildung mit einer Apotheke verdeutlicht diese Ambivalenz: Während Wissen Heilung und Fortschritt bringen kann, birgt es ohne sorgfältige Anwendung auch die Möglichkeit von Schaden und Missbrauch.
Auch heute bleibt Kraus' Beobachtung relevant. In einer Ära der Digitalisierung und des schnellen Zugriffs auf Informationen fordert sein Zitat dazu auf, Bildung mit Verantwortung zu verbinden. Es erinnert daran, dass die bloße Ansammlung von Wissen nicht ausreicht, sondern dass Weisheit und ethisches Bewusstsein notwendig sind, um Bildung zu einem Werkzeug des Fortschritts und nicht der Zerstörung zu machen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion