Ein Gelehrter hat keine lange Weile; nur ein Thron-Insaß lässet sich gegen diese Nervenschwindsucht hundert Hof-Feste verschreiben, Gesellschaftkavaliere, ganze Länder und Menschenblut.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Pauls Zitat kontrastiert die intellektuelle Beschäftigung eines Gelehrten mit der oft oberflächlichen Zerstreuung eines Herrschers. Ein Gelehrter, der in seinen Gedanken und Studien versunken ist, kennt keine Langeweile, da er aus der Tiefe seines Geistes schöpft. Im Gegensatz dazu ist der ‚Thron-Insaß‘ auf äußere Ablenkungen angewiesen, die oft in opulenten Festen, Prestige oder gar Eroberungen bestehen.
Diese Beobachtung regt zum Nachdenken über die Quelle unserer Zufriedenheit an. Während intellektuelle oder kreative Tätigkeiten innerlich erfüllend wirken, scheinen äußere Zerstreuungen nur vorübergehende Linderung zu bringen. Die Kritik an den verschwenderischen und oft zerstörerischen Ablenkungen von Machthabern ist zeitlos. Jean Paul mahnt damit zur Reflexion über den Wert von innerer Reife und geistiger Beschäftigung im Vergleich zu bloßer äußerer Pracht und Macht.
Das Zitat fordert uns auf, nach nachhaltigen Quellen der Erfüllung zu suchen und nicht auf oberflächliche Zerstreuungen zu setzen. Es erinnert uns daran, dass ein erfüllter Geist oft weniger abhängig von äußeren Umständen ist, sondern durch Neugierde und Engagement für das Lernen und Verstehen bereichert wird.
Zitat Kontext
Jean Paul, ein scharfsinniger Beobachter menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Strukturen, formuliert hier eine Kritik an den Exzessen und der Eitelkeit von Herrschenden. Zur Zeit seiner Schaffensperiode, in der Übergangszeit von der Aufklärung zur Romantik, war die Kluft zwischen Intellektuellen und aristokratischen Eliten deutlich sichtbar.
Seine Bemerkung über die Zerstreuungen eines ‚Thron-Insaßes‘ spiegelt eine historische Realität wider, in der Monarchen oft durch Pomp und Verschwendung glänzten, während Gelehrte in relativer Bescheidenheit, aber mit geistiger Tiefe lebten. Diese Kritik ist zugleich philosophisch: Jean Pauls Humanismus und sein Glaube an die Kraft des Geistes stehen im Gegensatz zu den oberflächlichen und oft zerstörerischen Praktiken der Macht.
Auch heute bleibt das Zitat relevant. In einer Zeit, in der Konsum und oberflächliche Zerstreuung oft als Antwort auf innere Leere gelten, erinnert uns Jean Paul daran, dass wahre Erfüllung aus intellektueller und persönlicher Tiefe kommt. Es ist ein Aufruf, sich auf nachhaltige Werte und innere Stärke zu besinnen, anstatt in flüchtigen Vergnügungen oder materiellen Errungenschaften Zuflucht zu suchen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion