Die Eintagsfliege, wie so manche Leute, Vergönnt sich keine Freude an dem Heute, Denn ruh- und rastlos immer muß sie sorgen, Die arme Eintagsfliege – für das Morgen.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach nutzt in diesem Zitat die Eintagsfliege als Metapher, um eine verbreitete menschliche Haltung zu kritisieren: die Unfähigkeit, im Moment zu leben. Die Eintagsfliege, ein Wesen, dessen Leben von Natur aus extrem kurz ist, sollte ihre knappe Zeit genießen. Doch in dieser Metapher ist sie von ständiger Sorge um die Zukunft geplagt, eine Ironie, die auf den Menschen übertragen wird. Viele Menschen opfern das Hier und Jetzt zugunsten eines ungewissen Morgen, stets auf der Suche nach Sicherheit, Wohlstand oder Erfolg, ohne den gegenwärtigen Moment zu schätzen.

Das Gedicht mahnt zur Achtsamkeit und fordert dazu auf, den Fokus auf das Heute zu richten. Es erinnert daran, dass das Leben endlich ist, ähnlich wie das der Eintagsfliege, und dass übermäßige Sorgen um die Zukunft oft das Glück und die Freude im Moment überschatten. Der Gedanke, dass man im Hier und Jetzt Erfüllung finden sollte, anstatt sich in endlosen Plänen und Sorgen zu verlieren, ist eine zeitlose Botschaft, die insbesondere in unserer hektischen modernen Gesellschaft von Bedeutung ist.

Ebner-Eschenbach ruft mit diesen Zeilen zu einer Lebenshaltung auf, die Gelassenheit und Dankbarkeit für den Augenblick einschließt. Sie fordert uns auf, die Balance zwischen der Planung für die Zukunft und der Wertschätzung der Gegenwart zu finden.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen Beobachtungen menschlicher Verhaltensweisen und ihre Fähigkeit, diese in prägnante, oft poetische Worte zu fassen. Dieses Zitat entstammt ihrer umfangreichen Sammlung von Aphorismen und Gedichten, die tiefgründige Einsichten in das menschliche Leben und dessen Herausforderungen bieten.

Im Kontext ihrer Zeit, einer Epoche geprägt von industriellem Fortschritt, gesellschaftlichem Wandel und wachsendem Druck auf den Einzelnen, spiegelt dieses Zitat eine Kritik an der zunehmenden Rastlosigkeit und Zukunftsfixierung wider. Die Industrielle Revolution brachte nicht nur Fortschritt, sondern auch eine Kultur der Hektik und des ständigen Strebens nach 'mehr' mit sich. In diesem Umfeld erinnert Ebner-Eschenbach an die Bedeutung von Achtsamkeit und das Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Lebens.

Heutzutage ist diese Botschaft relevanter denn je, da moderne Technologien und gesellschaftliche Erwartungen die Tendenz verstärken, das Hier und Jetzt zugunsten eines imaginären, besseren Morgens zu opfern. Ebner-Eschenbachs Werk bleibt eine inspirierende Mahnung, die Gegenwart zu schätzen und das Leben in vollen Zügen zu genießen, ohne die Sorge um die Zukunft zum alleinigen Lebensinhalt werden zu lassen. Ihre poetische Darstellung des Themas verleiht der Botschaft zusätzliche Tiefe und Nachhall.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion