Der Philosoph denkt aus der Ewigkeit in den Tag, der Dichter aus dem Tag in die Ewigkeit.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Karl Kraus’ Zitat beleuchtet die unterschiedlichen Perspektiven und Ansätze von Philosophen und Dichtern in ihrem Denken und Schaffen. Der Philosoph betrachtet den Alltag durch die Brille der Ewigkeit, das heißt, er sucht nach zeitlosen Prinzipien und universellen Wahrheiten, die auch im Konkreten Bestand haben. Der Dichter hingegen schöpft aus den flüchtigen Momenten des Alltags und verwandelt sie in Werke, die zeitübergreifende Bedeutung und Schönheit erreichen.

Das Zitat regt dazu an, die Verbindung zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit zu reflektieren. Philosophen versuchen, die grundlegenden Fragen des Lebens und Seins zu beantworten, und abstrahieren oft von der konkreten Erfahrung. Dichter hingegen greifen das Alltägliche auf, um es durch ihre künstlerische Perspektive in einen größeren, fast unvergänglichen Zusammenhang zu stellen. Beide Wege ergänzen sich und tragen dazu bei, die menschliche Erfahrung umfassend zu beleuchten.

Kraus’ Worte inspirieren dazu, über die Rolle von Intellekt und Kreativität im Umgang mit der Welt nachzudenken. Sie mahnen, dass sowohl das Streben nach ewigen Wahrheiten als auch die Verwandlung des Vergänglichen in das Zeitlose entscheidend für ein tieferes Verständnis der menschlichen Existenz sind. Das Zitat erinnert daran, wie wichtig es ist, die Balance zwischen philosophischer Reflexion und poetischer Sensibilität zu wahren.

Zitat Kontext

Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller, Satiriker und Kulturkritiker, war bekannt für seine präzisen und oft provokativen Beobachtungen über Kunst, Kultur und Gesellschaft. Dieses Zitat reflektiert seine Einsichten in die unterschiedlichen Rollen und Ansätze von Philosophie und Poesie in der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Welt.

Im historischen Kontext des frühen 20. Jahrhunderts, einer Zeit intensiver kultureller und gesellschaftlicher Veränderungen, sah Kraus Philosophie und Dichtung als entscheidende Kräfte, um Orientierung und Bedeutung in einer oft chaotischen Welt zu finden. Während Philosophen wie Heidegger oder Wittgenstein universelle Fragen diskutierten, zeigten Dichter wie Rilke oder Hofmannsthal die Schönheit und Bedeutung des Augenblicks.

Heute bleibt das Zitat relevant, da es auf die komplementären Rollen von Reflexion und Kreativität hinweist. In einer Welt, die von Wissenschaft und Technik dominiert wird, erinnert es daran, dass sowohl abstraktes Denken als auch die poetische Verarbeitung des Lebens essenziell für ein ganzheitliches Verständnis der Realität sind.

Kraus’ Worte sind eine zeitlose Erinnerung an die gegenseitige Bereicherung von Philosophie und Poesie. Sie laden dazu ein, die Tiefe des Denkens mit der Sensibilität der Kunst zu verbinden, um die Welt in ihrer Komplexität und Schönheit zu erfassen.

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion