Das Volk ist ein Ries' in der Wieg'n, der erwacht, aufseht, herumtargelt, alles zusamm'tritt und am End' wo hineinfallt, wo er noch viel schlechter liegt als in der Wiegen.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem Zitat das Volk als eine mächtige, aber unreife Kraft, die in ihrer Unruhe und Ungeschicklichkeit mehr Schaden anrichten kann, als sie Gutes bewirkt. Der „Riese in der Wiege“ symbolisiert das Potenzial und die Kraft der Massen, die jedoch, wenn sie unkontrolliert und ohne klare Richtung handeln, destruktiv werden können und sich am Ende selbst schaden. Es ist eine warnende Metapher für die Risiken von ungezügelter, impulsiver Bewegung ohne Führung oder Reife.
Dieses Zitat regt dazu an, über die Dynamik zwischen Volk, Macht und Verantwortung nachzudenken. Es zeigt, dass rohe Kraft allein nicht ausreicht, um Fortschritt oder Veränderung zu bewirken – sie braucht Struktur, Führung und Bewusstsein. Ohne diese Elemente kann das Potenzial des Volkes ins Chaos münden, anstatt positive Veränderungen hervorzubringen.
Die Reflexion über Nestroys Worte inspiriert dazu, die Verantwortung aller Beteiligten in einer Gesellschaft zu hinterfragen: sowohl der Führer, die Richtung und Stabilität bieten sollen, als auch des Volkes, das seine Macht bewusst und verantwortungsvoll nutzen muss. Nestroy mahnt zur Achtsamkeit im Umgang mit gesellschaftlichem Wandel und erinnert daran, dass impulsives Handeln ohne Nachdenken oft mehr Schaden anrichtet als bestehende Zustände zu verbessern.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy, ein Meister der Satire und des sozialen Kommentars, lebte in einer Zeit, die von politischen Umbrüchen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt war. Dieses Zitat spiegelt die Unsicherheiten des 19. Jahrhunderts wider, in denen Volksbewegungen einerseits als Träger von Fortschritt, andererseits aber auch als unberechenbare Kräfte wahrgenommen wurden.
Historisch betrachtet entstand das Zitat in einer Ära, in der Revolutionen und Reformen große Teile Europas erfassten. Nestroy reflektiert mit seiner Metapher sowohl die Hoffnung als auch die Furcht, die mit dem Erwachen des „Volkes“ verbunden waren – ein Aufstand, der ebenso zerstörerisch wie befreiend wirken konnte.
Auch heute ist das Zitat relevant, da es die zeitlose Herausforderung anspricht, Massenbewegungen und gesellschaftliche Veränderungen zu lenken und zu organisieren. Es erinnert daran, dass kollektive Kraft ohne klare Vision und Verantwortung leicht ins Chaos führen kann. Nestroy mahnt zu Bedacht und reflektiertem Handeln in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion