Alt zu werden unter jugendlichen Völkern, scheint mir eine Lust, doch alt zu werden, da wo alles alt ist, scheint mir schlimmer, denn alles.
- Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat
Friedrich Hölderlins Zitat ist eine poetische Reflexion über das Altern und den Zusammenhang zwischen dem Individuum und seiner Umgebung. Alt zu werden inmitten einer jungen, dynamischen Gesellschaft, in der Neues entsteht, bedeutet für Hölderlin Freude und Lebenslust. Es ist ein Altern, das von Hoffnung und Veränderung begleitet wird, während die Jugend als Symbol für Erneuerung, Bewegung und Lebendigkeit steht.
Demgegenüber sieht er das Altern in einer Umgebung, die selbst starr und alt geworden ist, als tiefes Übel. Hier fehlt die inspirierende Kraft des Lebens, die Energie der Jugend und die Möglichkeit, sich in der Bewegung der Welt noch einmal neu zu erfahren. Stattdessen herrscht Stillstand, Vergänglichkeit und eine bedrückende Gleichförmigkeit, die das Altern umso schmerzhafter macht.
Hölderlins Gedanken regen uns dazu an, darüber nachzudenken, wie stark unsere Umwelt unser eigenes Leben und Empfinden beeinflusst. In einer lebendigen, jungen Gemeinschaft fühlen wir uns mitgetragen, motiviert und inspiriert, während uns in stagnierenden Verhältnissen der Sinn und die Freude fehlen können. Das Zitat erinnert uns daran, wie wichtig Wandel, Wachstum und eine Verbindung zur Jugend – sei es durch Ideen oder Menschen – für unser eigenes Lebensgefühl sind.
Gleichzeitig drückt Hölderlin eine gewisse Sehnsucht aus: Die Suche nach einem Ort oder einer Gemeinschaft, die selbst im Alter noch Hoffnung und Lebensfreude vermittelt. Es ist ein Aufruf, aktiv nach Quellen der Inspiration zu suchen und sich nicht in der Trägheit des „Alten“ zu verlieren. Ein solches Leben erfordert Offenheit, Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, sich von der Jugend mitreißen zu lassen.
Zitat Kontext
Friedrich Hölderlin (1770–1843), einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik, war bekannt für seine tiefgründigen Betrachtungen von Natur, Menschheit und Zeit. Das Zitat spiegelt Hölderlins oft ambivalente Sicht auf das Leben und die Gesellschaft wider, geprägt von seiner eigenen Lebenssituation und den politischen Umwälzungen seiner Zeit.
Historisch gesehen lebte Hölderlin in einer Zeit des Wandels. Die Französische Revolution und der Aufbruch ins Industriezeitalter ließen neue, „jugendliche“ Kräfte entstehen, während alte monarchische Strukturen in Frage gestellt wurden. Hölderlins Worte lassen sich als Kritik an Gesellschaften verstehen, die stagnieren und in ihrer Starrheit keine Erneuerung zulassen.
Das Altern, sowohl individuell als auch gesellschaftlich, war für Hölderlin ein zentrales Thema. Eine „jugendliche Gesellschaft“ verkörpert Vitalität und Offenheit für Neues, während eine „alte Gesellschaft“ von Stillstand und Vergänglichkeit geprägt ist. Für den Dichter war diese Bewegung von zentraler Bedeutung, da sie ein Spiegel der Lebenskraft und des menschlichen Geistes war.
Hölderlins Zitat besitzt auch in der Gegenwart Relevanz. In modernen Gesellschaften erleben wir oft ähnliche Kontraste zwischen dynamischer Innovation und stagnierenden Strukturen. Das Altern in einer Welt des Wandels kann Hoffnung und Freude bedeuten, während das Altern in Stillstand und Resignation schwer zu ertragen ist. Hölderlins Gedanken erinnern uns daran, wie wichtig es ist, dem Leben stets Offenheit, Wandel und Neugier zu bewahren – unabhängig von Alter und Zeit.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Friedrich Hölderlin
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion