Ach, der Tugend schöne Werke, gerne möcht ich sie erwischen, doch ich merke, doch ich merke, immer kommt mir was dazwischen.
- Wilhelm Busch

Klugwort Reflexion zum Zitat
Wilhelm Busch zeigt in diesem Zitat auf humorvolle Weise eine universelle Wahrheit der menschlichen Existenz: den Konflikt zwischen Ideal und Realität. Die „Tugend“ steht hier symbolisch für das Streben nach moralischer Perfektion oder einem höheren Ziel, das jedoch durch die Widrigkeiten des Alltags immer wieder verhindert wird.
Dieser Zwiespalt ist jedem Menschen bekannt, der versucht, einem Ideal zu folgen und dabei auf unvorhersehbare Hindernisse stößt. Es erinnert uns daran, wie oft wir gute Vorsätze fassen, sei es für ein tugendhaftes Leben, eine gesunde Lebensweise oder die Erfüllung eines Traums, nur um festzustellen, dass äußere oder innere Faktoren uns zurückhalten.
Busch schafft es, diese tiefgründige Einsicht mit einer leichten, fast schon augenzwinkernden Sprache zu vermitteln. Dabei lädt er den Leser dazu ein, über die eigenen Schwächen nachzudenken und sie mit einem gewissen Maß an Humor zu betrachten. Die Reflexion über dieses Zitat führt zwangsläufig zu der Frage, wie wir mit Rückschlägen umgehen. Sollen wir uns entmutigen lassen oder lernen, diese Hindernisse als Teil des Lebens zu akzeptieren?
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Perfektion oft eine Illusion ist, und dass es vielmehr darauf ankommt, sich mit Freude und Gelassenheit den kleinen Kämpfen des Alltags zu stellen. Das Zitat ist damit nicht nur eine humorvolle Bemerkung, sondern auch ein Anstoß, das Streben nach Tugend als lebenslange, unperfekte Reise zu betrachten.
Zitat Kontext
Wilhelm Busch, bekannt für seinen scharfen Witz und seine satirischen Werke, verfasste dieses Zitat in einer Zeit, in der bürgerliche Tugenden und Ideale eine zentrale Rolle spielten. Im 19. Jahrhundert war die Gesellschaft stark geprägt von moralischen Vorstellungen und gesellschaftlichen Erwartungen, die oft als schwer erreichbar oder gar widersprüchlich wahrgenommen wurden.
Buschs Werk steht im Kontext einer Epoche, die zwischen Fortschrittsglaube und romantischer Idealisierung hin- und hergerissen war. Als Dichter und Zeichner zeigte er immer wieder, wie menschliche Schwächen und alltägliche Hindernisse den hochtrabenden Idealen im Wege stehen. Dieses Zitat ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Busch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzeigt.
Das Thema der Tugend und des Scheiterns war auch philosophisch relevant. Zeitgenössische Denker wie Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche setzten sich kritisch mit den Zwängen der Moral und den Herausforderungen der Selbstverwirklichung auseinander. Busch fügt dieser Diskussion eine humorvolle Note hinzu und macht sie dadurch für ein breiteres Publikum zugänglich.
Auch heute hat das Zitat nichts von seiner Aktualität verloren. In einer Welt voller Selbstoptimierung und hoher Erwartungen erinnert es uns daran, dass das Streben nach Perfektion oft von unvorhergesehenen Hindernissen geprägt ist. Es lehrt uns, mit diesen Herausforderungen mit Humor umzugehen und den Wert der Unvollkommenheit anzuerkennen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Wilhelm Busch
- Tätigkeit:
- Dichter, Zeichner, Karikaturist
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion